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Update: Nach Twitter-Sperre! Erdogan sperrt nun auch Youtube

Twitter Türkei
Twitter Verbot Türkei

Update (27.3.2014): Nun auch Youtube-Sperre in der Türkei durch Erdogan

Nachdem Erdogan letzte Woche bereits Twitter durch seine Behörden hat sperren lassen, hat es nun Youtube erwischt. Er folgt damit konsequent seiner Blockade-Strategie („Wir werden Sie alle auslöschen“). Erneut wurden (geheime) Gespräche der Regierung geleakt (Hürriyet Daily News). Die Telekombehörde TIB begründete dies mit administrativen Maßnahmen.

Update (26.3.2014) Twitter-Sperre durch Erdogan

Ein Verwaltungsgericht in Ankara ordnete am Mittwoch, den 26.3.2014 die Aufhebung an.

Die Regierung versprach die Aufhebung des Verbots. —-Ursprünglicher Artikel—- „Erdogan sperrt Twitter in der Türkei!“ „Erdogan will alle sozialen Medien auslöschen!“ Diese und andere Mitteilungen dominieren seit gestern morgen meinen Newsfeed und haben mich dazu ermuntert, auch in unserem Unternehmensblog einen kurzen Kommentar zu veröffentlichen. Die Twitter-Sperrung und deren Folgen sind schließlich auch für hiesige Unternehmen relevant: Der „Fall Erdogan“zeigt, wie man es nicht machen sollte.

Dialog mit Kunden und Bürgern!

Auf Kundenworkshops werden wir häufig gefragt: „Wie gehen wir mit Kritik in den sozialen Medien um?“ Manchmal antworte ich dann: „Wie gehen Sie mit Kritik in Ihrem (stationären) Geschäft um?“

Ein profanes Beispiel: Ein Kunde kommt in eine Bankfiliale  und beschwert sich über den unzureichenden Service. In der Regel versucht der Banker dann zunächst, den Kunden zu beruhigen. Danach gibt er die Kritik an seinen Vorgesetzten weiter. Im Optimalfall wird dann aufgrund des Kundenfeedbacks der Prozess verbessert. „Online“ oder „in den sozialen Netzwerken“ sollte das genauso funktionieren. Hierin besteht auch die große Chance für Unternehmen in den sozialen Medien: Feedback ist gut! Auch negatives Feedback ist gut!

Auf Kritik sollte man demnach reagieren –  nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Die Verbesserung des Prozesses wird im Optimalfall auch transparent kommuniziert. So merkt der Nutzer/Kunde: „Hier tut sich was…“ und „Ich bin wichtig und werde ernstgenommen.“

Mehrwert der sozialen Medien für Bürger: Mehr Freiheit!

Politisch bedeutet Social Media zunächst einmal eine Emanzipation des Einzelnen: Die Bedeutung des Bürgers steigt. Wurde er bisher von „denen da oben“ nicht gehört, so tragen Netzwerke wie Twitter und Facebook dazu bei, dass das Gewicht der Worte des Einzelnen nun steigt. So mutiert der Bürger in der heutigen Gesellschaftsform zum Journalisten. (Er macht den Journalisten nicht überflüssig: Die Aufgabe des Journalisten besteht vielmehr darin, über diese Themen zu berichten und die Tendenzen zu analysieren…). Oft finden sich Gleichgesinnte zusammen, die gemeinsam Initiativen gründen und so erheblichen Einfluss auf die Politik ausüben. Das ist gut so. Das ist ein Stück Demokratie. Politik wird wieder gesellschaftsfähig, weil der Bürger Einfluss ausüben und seine Meinung unabhängig äußern kann. Letztlich erlangt der Bürger so mehr Freiheit.

Was macht Erdogan mit Twitter?

Bereits am Donnerstag (20.3.2014) drohte Erdogan, Twitter vollständig zu verbieten: „Wir werden Sie alle auslöschen!“ Nun hat Erdogan – laut der türkischen Tageszeitung Hürriyet – seine Drohung wahrgemacht und die Website twitter.com in der Türkei gesperrt. Seine Begründung: Gerichtsentscheidungen werden ignoriert und Twitter-Beiträge trotz Beschwerden türkischer Behörden nicht entfernt. Eine Bestätigung der Sperrung erfolgte heute durch die türkische Telekom-Behörde.

Die Türkei als Social Media-Land

Die Türkei ist ein Social Media-Land. Das muss man so klar und deutlich sagen. Mit 34 Mio. Facebook-Nutzern (Stand Ende 2013) rangiert die Türkei europaweit auf Platz 1. Auch 15 Mio. angemeldete Nutzer auf Twitter sprechen eine deutliche Sprache. In keinem anderen europäischen Land wird so viel getwittert: Insgesamt 4,1 % des Twitter-Traffics kommt aus der Türkei. Zum Vergleich: Der deutsche Anteil des europäischen Twitter-Traffics liegt gerade mal bei 1,3 %.

Die Gedanken sind frei! Und das Social Web auch!

So einfach ist es jedoch nicht, Twitter „auszulöschen“. Wer die Sperre umgehen möchte, hat folgende Möglichkeiten:

  • „Twitter per SMS“: Twitter hat schnell reagiert und eine Nummer eingerichtet, an die Nutzer Tweets per SMS senden können
  • Nutzer können ihre IP-Einstellungen ändern
  • Nutzer können einen VPN-Client einrichten

Das Twitter-Verbot von Erdogan hat sogar dazu geführt, dass der Dienst so beliebt ist, wie nie zuvor. Experten sprechen sogar von einer Verdoppelung der Tweets. Ob Erdogan das erreichen wollte? Die Chancen für ein positives Ergebnis bei den bevorstehenden Regionalwahlen am 30. März dürften sich für den Ministerpräsidenten nicht gerade verbessern. Letztlich zeigt Erdogan allen Unternehmern, wie man es nicht machen sollte. Anstatt mit seinen Kritikern in Dialog zu treten und die Möglichkeiten sozialer Netzwerke zu nutzen, sperrt er sie aus. Im Fußball nennt man so etwas „Eigentor“!

Quellen: 

http://kurier.at/politik/ausland/tuerkei-erdogan-laesst-youtube-sperren/57.959.907 http://www.focus.de/politik/ausland/macht-erdogan-seine-drohung-wahr-twitter-in-der-tuerkei-offenbar-gesperrt_id_3705296.html http://netzwertig.com/2011/01/05/phaenomen-die-tuerkische-leidenschaft-fuer-das-social-web/ http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157705/umfrage/top-15-laender-nach-anzahl-der-facebook-nutzer/ http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/twitter-blockade-in-der-tuerkei-das-netz-schlaegt-zurueck-12857240.html http://www.berliner-zeitung.de/politik/kommentar-zum-twitter-verbot-in-der-tuerkei-erdogans-bizarrer-kampf-gegen-das-netz,10808018,26619378.html


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Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.