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Der Silicon-Valley Spirit: Röslers Trip ins Tech-Mekka

Es gibt Momente im Leben eines jeden Menschen, in denen mal verzweifelt. Momente, in denen man sich fragt, ob man gerade wirklich richtig gelesen hat…

Einen dieser Momente hatte ich am Freitag, den 24.Mai 2013. Um 10.47 Uhr lese ich auf Welt.de von der „peinlichen Inszenierung“ Philipp Röslers im Silicon Valley. Später titelt das Handelsblatt „Was von der Rösler-Reise bleibt“.

Philipp Röslers Trip´ ins Silicon Valley

Was war passiert? Der deutsche Wirtschaftsminister reist mit einer Delegation von 100 Start-Ups in Silicon Valley. Gefördert werden soll die junge digitale Wirtschaft. Einerseits sollen die Ihn begleitenden deutschen Unternehmer den „American-Spirit“ mitnehmen- auf der anderen Seite sollen ausländische Investoren für die deutschen Unternehmen begeistert werden.

Die Intention Röslers ist vollkommen nachvollziehbar: Stammen doch aus dem Silicon-Valley die Giganten der IT Branche wie Google, Intel, AMD, Facebook, Apple, Dell usw.. Auch zahlenmäßig begeistert das Silicon Valley: Mit 180 Mrd. € Umsatz und 500 tsd. Beschäftigten existiert weltweit kein vergleichbares IKT Cluster (Zum Vergleich: Bangalore: 80 tsd. Beschäftigte und 2 Mrd. Umsatz).

Irgendetwas scheint demnach am „Entrepreneurial-Spirit“ dran zu sein. Das wissen auch die Investoren. Schätzungen zufolge soll allein im Silicon Valley so viel Venture Capital zur Verfügung stehen wie in ganz Deutschland.

Rösler selbst sagt, dass er viel darüber gelernt hat, wie man Unternehmertum fördert.

Das ist gut so. Und mutig. Wenige Politiker geben gerne zu, dass Sie etwas von anderen Ländern lernen. Der Rückstand der deutschen Gründungsszene zu den USA ist ein Fakt, den Rösler anerkennt. Im Unterschied zu anderen Ministern erstickt er nicht an Floskeln sondern macht das, was naheliegend ist. Spirit aufnehmen. Die Systematik erkennen. Netzwerke beleben. Lernen. Werbung für Deutschland machen.

Röslers Medienwirkung im Silicon Valley

Dabei gibt sich Rösler betont lässig. Er lässt sich mit Unternehmern ablichten. Nicht nur in Anzug und Krawatte. Auch im legeren Joggingdress am Fusse der Golden Gate Bridge oder beim gemeinsamen Feierabendbier. Auch Kai Dieckmann, den Chef der Bild Zeitung trifft er. Eine vielleicht etwas zu herzliche Umarmung folgt.

„Betont volksnah“ für einen Minister, denkt man im ersten Moment. Alles Show? Allerdings wirkt der Minister nicht deplatziert sondern eher authentisch in diesem Umfeld. Man stelle sich bloß den schleimigen von und zu Guttenberg mit seinen Phrasen vor. Oder einen arroganten Steinbrück, der sich der Online- bzw. Social-Media Welt lange Zeit ggü. verschlossen hat.

Reaktion der deutschen Medienlandschaft

Neben geringer positiver Resonanz reagiert die deutsche Medienlandschaft arrogant und ignorant. Wörter wie „peinlich“, „Klassenfahrt“ und „Show“ dominieren die Presse. Warum, ist vollkommen unverständlich und wird auch nicht begründet.

Hier ein paar Beispiele:

–        Facebook und Co lassen Rösler abblitzen

–        Mission Impossible

–        Inszenierung

–        Peinliche Reise

Die Medienlandschaft hat offensichtlich nicht den Sinn und Zweck der Reise begriffen. Die Reise ist ein Zeichen des Wirtschaftsministers an die IT Branche und auch für die deutsche Wirtschaftspolitik.

Was will uns Rösler sagen?

Rösler sagt uns: Schaut her! Auch Deutschland hat den Wert des Unternehmertums für seine Volkswirtschaft erkannt. Start-Ups schaffen Arbeitsplätze und sorgen für Innovationen. Gesamtwirtschaftlicher Wohlstand korreliert positiv mit Unternehmertum. Rösler sagt uns mit dieser Bildersprache: Ich bin in der Gründerszene angekommen. Ich rede nicht nur, ich lasse auch Taten sprechen. Ich kremple die Ärmel hoch. Was ist daran so schwer zu verstehen? Was ist daran so peinlich?


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Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.