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Shopping 3.0 – So kaufen Sie im Jahr 2020 ein

Shopping 3.0 – Einkaufen im Jahr 2020

Unsere Welt wird immer digitaler und nur wenige Aspekte des Lebens betrifft es nicht. Digitalisierung wird auch im Bereich Shopping ganz großgeschrieben – Amazon läutete es 1995 in den USA ein, drei Jahre später auch in Deutschland. Der heutige Marktwert in Höhe von knapp 172 Mrd. US-Dollar bestätigt dies.

Doch wie wird das Shopping in fünf Jahren aussehen? Die rasante Weiterentwicklung der letzten Jahre wird auch in Zukunft deutlich spürbar sein – Future Shopping oder Shopping 3.0 genannt.
Nehmen wir das Beispiel Bekleidungsgeschäft: Wir fahren in die Stadt, gehen in einen Laden, lassen uns vorher von den Schaufensterpuppen inspirieren und laufen durch das Geschäft auf der Suche nach etwas Schönem in der passenden Größe und Farbe. Alles manuell und Real Life zum Anfassen.

Laut Experten und Innovatoren auf dem Gebiet soll diese Art des Shoppings im Vergleich zum Jahr 2020 fast schon rückständig sein – zumindest wenn es um die Mittel – und Premiumsegmente der Fashionindustrie geht.

Weniger ist mehr – Von der Schaufensterpuppe zur Displayanzeige

Schaufensterpuppen aus Kunststoff soll es nicht mehr geben. Der Kunde wird durch ein großes Display im Schaufenster angesprochen, der die aktuellsten Produkte sowie die schönsten Outfits präsentiert, und das alles natürlich digital und ständig wechselnd. Und hier beginnt die Vernetzung zwischen On- und Offline. Sieht der Kunde ein passendes Produkt auch nach Ladenschluss, soll er es in Zukunft per QR-Code scannen und direkt zu sich nach Hause bestellen können.

Online geht’s auch beim Betreten weiter: Per App wird der Kunde im Laden eingecheckt und kann so persönlich von den Mitarbeitern, die (noch) aus Fleisch und Blut sind, begrüßt werden.
Auch der Store wird sich verändern. Wo heute noch Kleiderstange an Kleiderstange steht, soll ein offener Raum mit Lounge-Charakter und Entspannungseffekt kreiert werden. Ein Ausstellungsstück pro Modell ist sichtbar, die verschiedenen Farben und Größen sieht man online, nachdem man den Code gescannt hat.

Die Werbung wird live geschaltet. Verkauft ein Teil sich nur schleppend, können die Mitarbeiter es über die Bildschirme in den Fokus rücken, Rabatt geben oder bei Schauer Regenmäntel über die Bildschirme laufen lassen.

Die Fashionindustrie soll außerdem durchsichtiger werden, in dem es Infobildschirme auf den Kleiderbügeln gibt. Material, Herstellungsort, Informationen über den genauen Designer und wie die Idee des Designs entstanden sind ergänzen wie vielen Personen das Produkt gefällt.

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Anprobe im Magic Mirror

Doch was ist mit der Anprobe? Die Kaufentscheidung wird maßgeblich in der Umkleidekabine getroffen, doch sind diese nicht mehr zu klein und mit einem Licht wie in der Pathologie ausgeleuchtet. Auch hier gilt: Entspannen Sie sich! Größer und einladender und vor allem ausgestattet mit dem Magic Mirror. Bei Wunsch connected er sich mit dem Smartphone des Kunden und spielt Musik aus seiner Bibliothek aus. An- und ausziehen gehört der Vergangenheit an, der Magic Mirror vermisst den Körper und schlägt die perfekte Größe vor und projiziert die gewünschte Kleidung an den Körper, die vorher per QR-Code in die Umkleide bestellt wurde, schlägt außerdem passende Teile vor oder zeigt, zu welchen bereits gekauften Kleidern aus dem Store sie passen. Selbstverständlich alles per Touch oder Geste.

Es wird noch interessanter: Probiert eine Dame ein kleines Schwarzes an, bekommt sie eine Veranstaltung in der Nähe angezeigt, zu der das Outift passt. Kauft sie Karten dafür, sollen auch Rabattaktionen geschaltet werden.

Das Tragen wird dem Kunden auch abgenommen, indem die gewünschten Artikel gescannt und sofort an die Kasse bestellt werden. Diese soll es im klassischen Sinne auch nicht mehr geben. Der menschliche Verkaufsberater bedient einen Kunden komplett, von der Begrüßung bis hin zur Beratung und er wickelt den Kauf ab, der nicht mehr bar oder per Kreditkarte, sondern über das Smartphone bezahlt wird.

Kunden werden in Zukunft transparenter

Das alles klingt so einfach, so entspannt, nach so wenig Anstrengung und nach einem Shopping-Abenteuer. Einen sehr wichtigen und empfindlichen Aspekt darf der Kunde nicht aus den Augen verlieren: Je mehr Arbeit ihm abgenommen wird, desto transparenter wird er. Das Kaufverhalten wird komplett analysiert, in welche Geschäfte er geht, wie lange er sich darin aufhält, welche Teile gekauft werden, welche Musik gehört wird. Unternehmen bringt es gezielteres Advertising und damit mehr Manipulation des Kunden. Wenn er es denn will. Der Kunde hat immer noch die Möglichkeit sich dessen bewusst zu sein und nicht auf diese Werbung anzuspringen.

Außerdem stellt sich die Frage, wie zuverlässig sind der Magic Mirror und die mir empfohlenen Größen? Warum soll ich in den Laden fahren, wenn ich sowieso nicht richtig anprobieren kann und nicht direkt gemütlich von zuhause aus online bestellen? Und wenn ich das Outfit für heute Abend brauche, dann fällt das Future Shopping sowieso aus.

Sicherlich wird nicht jedes Bekleidungsgeschäft in Zukunft so aufgebaut sein, es wird auch noch die Läden zum Anfassen geben, aber ein Erlebnis wird das Shopping 3.0 auf jeden Fall.
Alles ist möglich in der digitalen Zukunft – aber alles sollte auch zuerst kritisch hinterfragt werden vom Kunden.

Quellen:

http://www.e-commerce-magazin.de/future-store-30-fashion-shopping-im-jahr-2020

https://www.youtube.com/watch?v=GB0U_Se8N5I


Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.