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Snapchat – Teure Werbung ohne Targeting

Snapchat

(Foto: 360b / Shutterstock.com)

Facebook hat kürzlich eine Snapchat-artige Fotobearbeitung integriert. Damit erkennt Facebook das zweifellos vorhandene große Potenzial von Snapshat an. Unter jungen Menschen ist der Instant-Messenger äußerst beliebt, glauben doch viele, ihre Bilder würden nach dem Versenden bzw. Aufrufen der Nachrichten wirklich gelöscht. In der Snapchat-Sphäre ist das auch so. Bevor die Fotos oder Videos gelöscht werden, können jedoch Drittanbieter auf die Daten zugreifen und diese abrufen. Oder der andere Nutzer macht einfach einen Screenshot, schon ist das Foto verewigt. Das scheint vielen nicht klar. Was macht Snapchat aus? Wie wird mit den Daten umgegangen? Ist Werbung auf Snapchat möglich?

Snapchat wächst stärker als Facebook – zumindest in Deutschland

Snapchat hat ein enormes Wachstumspotenzial. Dies gilt zwar auch weltweit, besonders jedoch in Deutschland. Hier konnte Snapchat große Netzwerke wie Facebook und Instagram abhängen. Das Besondere daran: Die Fotos werden laut Aussage des Unternehmens nicht gespeichert, sondern nach dem Versenden unmittelbar auf dem Mobilgerät des Absenders gelöscht. Danach ist die Nachricht beim Adressaten bei Abruf für 24 Stunden sichtbar und verschwindet anschließend.
Das soll die Privatsphäre der Nutzer schützen. So glauben jedenfalls die vorwiegend sehr jungen Nutzer und versenden gerne erotische Selfies, sog. Sexting. Doch ist die Privatsphäre wirklich geschützt? Ein ganz klares Nein! Denn von den versendeten Fotos oder Videos kann ein Screenshot gemacht und gespeichert werden. Ebenso speichern sich die Daten auf dem Smartphone ab. Mit ein wenig Aufwand können diese gefunden werden. So kann das Private dann doch noch in der Öffentlichkeit verbleiben.

Daten und Fakten von Snapchat

Snapchat wurde 2011 von den Studenten Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel gegründet. Nach eigenen Angaben des Unternehmens, das mittlerweile einen Marktwert von 16 bis 19 Milliarden Dollar haben soll, nutzen in den USA mehr als 60 Prozent der 13- bis 34-jährigen Smartphone-Besitzer Snapchat als Instant-Messenger. Die international rund 100 Millionen Nutzer verschicken täglich etwa 700 Millionen Fotos.
Nachdem mehrere Male Snapchat-Fotos in öffentlichen Umlauf gebracht worden waren, verwiesen die Gründer auf Drittanbieter und schlossen eine Kompromittierung ihrer Server aus. Fakt ist jedoch, dass Drittanbieter auf die Daten zugreifen und das hat dann nichts mehr mit dem Schutz der Privatsphäre zu tun.

Werbung bei Snapchat – Vertical Ads zu horrenden Preisen aber ohne Targeting

Für Unternehmen ist Snapchat wegen der großen Reichweite geschalteter Werbung äußerst interessant. Die Snapchatter sind täglich aktiv und erreichbar. Die Besonderheit ist die Darstellung des Contents – dieser muss zwingend vertikal gestaltet werden.
Denn: Mobilgeräte werden in der Regel vertikal genutzt, so müssen Unternehmen bei Snapchat auch Ads und Videos vertikal produzieren – das sog. 3V-Advertising. Die Anzeigen sind dann 24 Stunden sichtbar.

Ein Nachteil ist das im Vergleich zum Facebook-Marketing fehlende Targeting. Denn auch hier soll ja vorgeblich die Privatsphäre der Nutzer geschützt werden. Möglich sind jedoch immerhin Eingrenzungen nach Ort, Alter und Geschlecht.

Snapchat verlangt derzeit noch 750.000 US-Dollar für eine Tagesanzeige in Top-Platzierung. Das ist horrend. Damit will Snapchat vorwiegend große Unternehmen ansprechen und sein Werbeangebot klein halten. Das Filmstudio Universal Studios schaltete vergangenes Jahr weltweit die erste Anzeige und zeigte sich mit dem Ergebnis äußerst zufrieden.

Die im Januar 2015 vorgestellte Anwendung Discover bereichert den Instant-Messenger um redaktionelle Inhalte. Zwölf Medienanbieter sitzen mit im Boot – von CNN, National Geographic, Daily Mail bis hin zu Comedy Central. Nutzer können mit einem Wisch durch Texte, Fotos und Videos navigieren. Die Inhalte werden wie auch alle weiteren Daten von Snapchat nach 24 Stunden gelöscht. Damit hat Snapchat zusätzlich einen Zugang für kommerzielle Anbieter geschaffen.

Fazit:

Alles in allem sehe ich in Snapchat eine Gefahr für Jugendliche, die ihre privaten Belange ohne Scheu veröffentlichen. Insofern unterscheidet sich Snapchat zwar nicht von anderen sozialen Netzwerken. Die Besonderheit ist jedoch die durch den vermeintlichen Schutz der Daten suggerierte Sicherheit des Messengers, auch pikante Bilder ohne Reue versenden zu können. Denn nach 24 Stunden werden diese ja laut Snapchat gelöscht. Offenbar ist dies aber nicht so. Wer als Drittanbieter wie Zugriff auf die Daten erhält, kann nicht wirklich nachvollzogen werden.
Als Werbeplattform ist Snapchat wohl nur für wirklich große zahlungskräftige Unternehmen interessant, die eine junge Zielgruppe ansprechen wollen. Das 3V-Advertising überzeugt auf jeden Fall. Wahrscheinlich geht es Snapchat weniger um Exklusivität des Werbeangebots als um schnelle Steigerung des Marktwerts, damit sich der avisierte Börsengang auch lohnt.

Quellen:

https://www.snapchat.com/ads

https://de.wikipedia.org/wiki/Snapchat

http://www.golem.de/news/messaging-snapchat-waechst-in-deutschland-schneller-als-facebook-1507-115432.html

http://bjoerntantau.com/snapchat-revolutioniert-mobile-video-werbung-durch-3v-advertising-24062015.html

http://t3n.de/news/750000-us-dollar-snapchat-werbung-588547/

http://t3n.de/news/snapchat-erste-werbeanzeige-573271/

http://t3n.de/news/snapchat-discover-591001/


s.dietrich