Warum eigentlich Instagram und nicht Flickr?

Flickr

Flickr ist als Social-Media-Dienst schon lange etabliert, liegt aber bei den Nutzerzahlen in Deutschland hinter den Diensten von Instagram und Picasa. Wir stellen uns die Frage: Warum ist die Akzeptanz dieses Dienstes so gering und was kann Flickr überhaupt?

Flickr-Story

Die Anfänge von Flickr (engl.= durchblättern) sind bereits im Jahr 2002 zu finden. Gegründet von der Firma Ludicorp war es im Wesentlichen ein nützliches Feature in einem Online-Spiel, welches sich später großer Beliebtheit bei Bloggern erfreute. In Zeiten, in denen das Ablegen von Inhalt auf externen Servern noch recht teuer war, bot sich Flickr als kostenlose Alternative an, Bilder extern abzulegen und zu teilen. Es dauerte nicht allzu lange, bis auch große Firmen dieses Potential erkannten, und bei Flickr an die Tür klopften. So wurde Flickr im Jahr 2005 von Yahoo für ca. 25 Mio. US-Dollar gekauft.

Die Integration des Neuerwerbs gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet. Der erwartete Hype um Flickr blieb aus. Ein kleiner Erfolg stellte sich ein, als jedem Nutzer 100 MB freier Speicherplatz zur Verfügung gestellt wurde. Eine wirklich breite Masse konnte allerdings erst im Jahr 2012 durch einen kompletten Relaunch erreicht werden. Mittlerweile sind auf Flickr ca. 93 Mio. Nutzer in 2 Mio. Gruppen weltweit aktiv. Aktuell werden ca. 1 Mio. Bilder pro Tag auf Flickr veröffentlicht, 9 Mrd. Bilder sind dort schon gespeichert und Flickr erfreut sich großer Beliebtheit bei Fotografen und solchen, die es werden wollen.

Flickr zeichnet sich vor Allem dadurch aus, mehrere Kompetenzen miteinander zu verbinden. Instagram als Platzhirsch im Bereich Foto-Community bietet die Möglichkeit, Fotos schnell und einfach mit anderen zu teilen. Die Kernkompetenz von Picasa ist die einfache Verwaltung großer Foto-Bibliotheken. Flickr bringt diese beiden Funktionen zusammen und bietet jedem Nutzer aktuell 1 Terrabyte freien Speicherplatz. Benötigt man mehr, kann man auch einen Pro-Account kaufen und kann unendlich viele Bilder speichern.

Flickr - Logo

Was kann Flickr?

Funktionen, die man von Instagram kennt, bietet Flickr auch, und mehr. Teilen, Liken, Kommentieren und Taggen ist alles möglich. Man kann Gruppen gründen, Favoriten festlegen, junge Künstler unterstützen oder sich einfach nur inspirieren lassen. Die Verwaltung der eigenen Foto-Bibliothek ist sehr komfortabel, man kann eigene Galerien festlegen und das Hochladen von (un)endlich vielen Fotos geht durch den neuen Uploadr einfach und schnell. Für ambitionierte Fotografen ist Flickr ideal, um sich auszutauschen und gefunden zu werden.
Nutzer schätzen, dass Fotos Device-übergreifend in maximaler Auflösung hochgeladen werden können. Wenn gewünscht, können ebenfalls EXIF-Daten öffentlich gemacht werden, was als Feature speziell bei Fotografen stark genutzt wird. Die Kamera Suche ermöglicht es, Bilder nach den benutzten Kameras zu sortieren. In Zeiten, in denen das Thema Fotografie durch DSLM’s und günstige Consumer-DSLR’s wieder breiten Anklang findet, sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal (Bemerkung: Die meistgenutzte Kamera ist mittlerweile dennoch das Iphone, Selfies werden anscheinend doch als Kunst gewertet) Zudem ist es möglich, Rechte an seinen Bildern, d.h. wer die Bilder sehen darf, individuell zu vergeben und einzuschränken. Theoretisch ist sogar Geld verdienen durch die Anbindung zu Getty Images möglich.

Flickr im Unternehmen

Aber auch für Unternehmen ist Flickr interessant. Die Commons-Galerie bietet die Möglichkeit, interessante Fotos auf der eigenen Website kostenfrei einzubinden. Sinnvoll und professionell genutzt, kann es für Unternehmen ein weiterer wichtiger Baustein im Social Media-Marketing sein. Eigene Gruppen können von Unternehmen mit Content gefüllt werden, um die mediale Reichweite zu erhöhen und ein positives Image aufzubauen. Hervorragend ist in diesem Zusammenhang, dass Fotos getaggt werden können und SEO-optimiert sind. Die Möglichkeit, tatsächlich über die Google-Suche gefunden zu werden, steigt dadurch enorm.

Instagram

© tulpahn / Shutterstock.com

Instagram klar vor Flickr

Flickr bietet das Beste aus mehreren Welten und dennoch reichen die Nutzerzahlen trotz der genannten Vorzüge nicht ansatzweise an die von Instagram heran. Flickr sticht besonders durch seinen Funktionsumfang hervor, verbaut sich aber weitere Chancen, indem Nutzer gezwungen werden, sich mit ihrem eigenen Yahoo-Konto anzumelden. Diese Vorgehensweise ist nicht mehr zeitgemäß und sollte schnellstens durch umfassende Anmeldemöglichkeiten via Facebook oder Google-Account erweitert werden. Zudem ist die Zielgruppe nicht klar definiert. Zum einen will es Lifestyle und Social-Media-Community sein, zum anderen richtet es sich an ambitionierte Fotografen, die eine professionelle Lösung ihrer Ordnerverwaltung suchen.

Es stellt sich wieder einmal heraus, dass Einfachheit in der Bedienung, eine klare Positionierung und vor Allem die soziale Akzeptanz entscheidende Erfolgstreiber im Bereich Social Media sind. Dennoch ist Flickr ein tolles Produkt und lässt sich sinnvoll als weiterer Kanal von Unternehmen nutzen.

Quellen:

Chip.de (2014): Flickr – Das kann der Foto-Dienst
http://www.chip.de/bildergalerie/Flickr-Das-kann-der-Foto-Dienst-Galerie_61819901.html

Etherington, Daniel (2014): Flickr At 10: 1M Photos Shared Per Day, 170% Increase Since Making 1TB Free
http://techcrunch.com/2014/02/10/flickr-at-10-1m-photos-shared-per-day-170-increase-since-making-1tb-free/

Honan, Mat (2012): How Yahoo Killed Flickr and Lost the Internet
http://gizmodo.com/5910223/how-yahoo-killed-flickr-and-lost-the-internet

Porter, Joe (2014):Why Flickr is Better Than Instagram
http://mediaridge.com/blog/why-flickr-is-better-than-instagram/

Tommorow Focus Media (2015): Social Trends Studie
http://www.tomorrow-focus-media.de/

Tasarra-Twigg, Noemi (2014): Flickr vs Instagram: Which is Better and Why
http://www.bloggingpro.com/archives/2014/04/29/flickr-vs-instagram-better/