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Update: Mobile Payment – Samsung Pay drängt auf den Markt

Android Pay

Im Ladengeschäft bezahlen, ohne auch nur Geld, Karte oder Smartphone in der Hand zu halten. Das ist keine Zukunftsmusik mehr. Mit Android Pay von Google und dem neuen Pay von Apple liefern beide Konkurrenten einen Sprung in Sachen Mobile Payment ab. Doch: Den Deutschen ist ihr Bargeld heilig. Das werden auch Google und Apple zu spüren bekommen. Die Fragen sind: Wer gewinnt mehr Partner und überzeugt die Nutzer mit einer breiten Reichweite? Können die Bezahlsysteme auch in Deutschland eingeführt werden?

Mobile-Payments-Markt mit immensen Wachstumsprognosen

Der Mobile-Payments-Markt wächst und wächst – zumindest in den USA. Laut einer aktuellen Studie von eMarketer wird das Transaktionsvolumen auf 27,5 Milliarden Dollar anwachsen (Vorjahr: 3,5 Milliarden). Die Zahl der Nutzer von mobilen Bezahldiensten soll sich mit 36,2 Millionen nahezu verdoppeln. Das ist ein immenser Sprung! Kein Wunder, dass Google und Apple sich nun ein Kopf an Kopf-Rennen um die Gunst dieser Kunden liefert. Wer die Nase vorn hat, wird sich noch zeigen.

Android Pay

Screenshot: Android

Update 23.06.2015

Nach einer Umfrage von Reuters hält sich die Begeisterung der Smartphone-Nutzer für Mobile Payment-Systeme in Grenzen. 85 Prozent der iPhone-Besitzer haben Apple Pay noch nie benutzt. Da immer wieder Sicherheitslücken bei Smartphones – insbesondere bei iOS – entdeckt werden, verwundert dies nicht. 

Google erobert mit Android M und Android Pay neue Horizonte

Android M sowie Android Pay wurden Ende Mai auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2015 vorgestellt. Über das „M“ in Android M wurde viel spekuliert. Erste Informationen weisen auf „Macadamia Nut Cookie“ hin. Lecker! Damit will Google sein neues Betriebssystem wie auch die Vorgänger schmackhaft verpacken. Mehrere hundert Neuerungen soll Android M enthalten. Google selbst spricht von einer Revolution. Siehe dazu einen Beitrag auf netzwelt: „Android M: Alle neuen Funktionen im Überblick“.

Das neue Bezahlsystem Android Pay ersetzt den bestehenden Dienst Google Wallet für den mobilen Kauf. Mit Android Pay bezahlen Nutzer in Ladengeschäften, an Automaten, in Online-Shops und in Apps. Sogar Bonuspunkte von Kundenkarten werden berücksichtigt. Die Aktion ist einfach und biometrisch gestützt. Man hält sein Smartphone an ein Lesegerät. Anschließend wird per Fingerabdruck die Identität des Käufers zweifelsfrei bestätigt. Bezahlen kann man natürlich derzeit nur in den USA, dort immerhin in über 700.000 Geschäften und über 1.000 Apps von Drittanbietern. Für die Übertragung wird eine virtuelle Kontonummer erstellt, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Das System für die Übertragung der Daten nennt sich NFC (Near Field Communication). Das Smartphone benötigt dann einen entsprechenden Chip. Diese Technik wird auch bei Banken in Deutschland für das sog. Micropayment verwendet.

Noch ein Schmankerl von Google gibt es mit der App Hands Free. Hier kann der Kassierer mit einem speziellen Gerät die Identität des Kunden überprüfen. Dieser muss lediglich seinen Namen nennen. Wie die Überprüfung stattfindet, ist noch unklar. Eine Möglichkeit ist die Erkennung des Smartphones via Bluetooth. Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Testphase. Es könnte Google einen entscheidenden Vorteil gegen Apple bringen.

Update 23.06.2015

Samsung plant ein eigenes Bezahlsystem für seine Androidgeräte

Samsung plant mit Samsung Pay ein eigenes Bezahlsystem für seine Androidgeräte. Für Google ist das die eigentliche Konkurrenz, wird doch das Betriebssystem Android genutzt. Mit einem Anteil von 60 Prozent sind Androidhandys klarer Marktführer vor Apple. Samsung verkauft rund 24 Prozent der gesamten Smartphones auf dem Markt. Die Koreaner stellen damit einen ernsthaften Konkurrenten für Android Pay dar. Zumal Samsung durch die Übernahme des Mobile-Payment-Anbieters LoopPay mit mehr als 30 Millionen Einzelhändlern zusammenarbeitet. Android Pay kommt hier nur auf 700.000.

Apple Pay

Screenshot: Apple

Apple Pay und das neue Bonussystem

Vergangenen Oktober hat Apple das für iPhone 6 und 6 Plus entwickelte Bezahlsystem Pay eingeführt. Auch iPad 2 und die Apple Watch sollen damit bestückt werden. Ähnlich Android Pay wird für die Transaktion eine „Unique Device Account Number“ erstellt. Diese ersetzt die Kreditkartennummer. Auch hier muss für jeden Zahlungsvorgang der Fingerabdruck des Nutzers auf dem iPhone 6 identifiziert werden. Zusätzlich ist ein Sicherheitschip Secure Element erforderlich. Mittlerweile konnte Apple schon 300 Banken als Partner für seinen Bezahldienst gewinnen. Kürzlich kamen noch 12 Regionalbanken in den USA dazu. Apple sammelt keine Daten bei Bezahlvorgängen, so das Unternehmen. Das dürfte die Verbraucher freuen.

Die New York Times hat Ende Mai berichtet, es sei ein Prämienprogramm für Apple Pay-Nutzer geplant. Diese sollen Bonuspunkte für jede Transaktion erhalten. Vorgestellt werden soll das neue Programm am 8. Juni auf der WWDC in San Francisco. Man darf also weiterhin gespannt sein, was Apple aus dem Hut zaubert.

Google Wallet

Screenshot: Telefonica

Mobile Bezahlsysteme in Deutschland

In Deutschland gibt es keine zentrale Lösung für das Mobile Payment. Einige Unternehmen haben eigene Lösungen entworfen. Die wichtigsten zeigen wir im Überblick:

  1. MyWallet von der Telekom
    Seit Juli 2014 gibt es MyWallet. Bis Ende 2015 soll das System an über 200.000 Standorten Anwendung finden. Auch hier läuft die Übertragung per NFC. Derzeit ist das Programm nur für Telekom-Kunden erhältlich, die mit dem Erwerb der NFC-SIM-Karte auch eine Telekom-MasterCard erhalten. Damit funktioniert MyWallet mit einem Prepaid-System. Erst wird Geld auf die Kreditkarte geladen, dann kann der Kauf stattfinden. Transaktionen bis 25 Euro benötigen keine Autorisierung, Beträge darüber hinaus erfordern die Abwicklung mit einer individuellen Kennung.
  2. Base Wallet von E-Plus
    In direkter Konkurrenz hat E-Plus fast zeitgleich ein eigenes Bezahlsystem auf den Markt geworfen. Funktionell sind MyWallet und Base Wallet nahezu identisch.
  3. Payback
    Der Rabattpunkteanbieter Payback hat für 2015 ein eigenes Bezahlsystem angekündigt. Gegenwärtig befindet sich das Unternehmen in der Abstimmung mit den Partnern. Ein genaues Startdatum wurde nicht verkündet.

Eine praktische Übersicht finden Sie in „Mobile Payment – ist das Schlagwort 2014 im Handel“.

Mobile Payment und das deutsche Bankensystem

Deutsche Banken und Sparkassen sind sich keinesfalls einig, was die Einführung von Mobile-Payment-Systemen angeht. Es gibt viele Insellösungen. Grundsätzlich besteht in Deutschland eine geringe Akzeptanz von Kreditkarten, was Google und Apple noch zögern lässt. Eigene deutsche Systeme der Finanzwirtschaft sind z.B. girogo von der Sparkasse für Micropayment und Paypass von MasterCard. Bei der Vielzahl an Angeboten verliert der Kunde leicht den Überblick und auch die Lust am Mobile Payment. Deshalb haben Google und Apple eine gute Chance, den deutschen Markt zu erobern.

Die GFT Technologies AG aus Stuttgart hat in seinem Blue Paper „Will Smartphones replace bank branches? die Auswirkungen von Apple Pay auf die deutschen Banken bewertet:

Vorteile - Nachteile

Fazit:

Sowohl Google als auch Apple haben erst sehr spät auf die Entwicklung in mobilen Bezahlsystemen reagiert. Dafür haben beide Konkurrenten einen großen Sprung gewagt. Die Marktmacht beider Unternehmen wird auch die rasche Verbreitung ihrer Mobile-Payment-Dienste sichern. Apple bindet sein Pay an das iPhone und iPad. Google fährt mit Android Pay und Google Wallet zweigleisig. Kann Google Hands Free im Markt einführen, wäre der Vorsprung zu Apple klar.

Die deutsche Kreditwirtschaft wird wohl oder übel auf die Angebote beider Unternehmen reagieren müssen. Sie sollten angesichts der Marktmacht von Google und Apple mit diesen kooperieren, statt nach eigenen Lösungen zu suchen. Die Kooperation sollte natürlich auf das deutsche Girokartensystem eingehen. Apple und Google werden hier nachliefern müssen. Wichtig sind auf jeden Fall ein gemeinsamer Standard der gesamten Kreditwirtschaft und die Gewährleistung maximalen Datenschutzes.

Quellen:

Android M: Alle neuen Funktionen im Überblick
http://www.netzwelt.de/android-m/152539-android-m-alles-wissenswerte-lollipop-nachfolger.html

Android Pay, Hands Free und Google Wallet erklärt
http://www.areamobile.de/news/32681-mit-google-bezahlen-android-pay-hands-free-und-google-wallet-erklaert

Apple Pay: Zahl der Partner für mobilen Bezahldienst wächst weiter
http://www.cnet.de/88151527/apple-pay-zahl-der-partner-fuer-mobilen-bezahldienst-waechst-weiter/

Apple Pay: Mit Bonusprogramm gegen Google Wallet
https://curved.de/news/apple-pay-mit-bonusprogramm-gegen-google-wallet-259550

Telekom MyWallet: Bezahlen per NFC im Test
http://www.chip.de/news/Telekom-MyWallet-Bezahlen-per-NFC-im-Test_71026407.html

Payback will 2015 Bezahl-App starten
http://newsburger.de/mobiles-bezahl-system-payback-will-2015-bezahl-app-starten-83435.html

Mobile Payment – ist das Schlagwort 2014 im Handel
http://www.kreditkarte.net/mobile-payment/

Apple Pay setzt deutsche Banken unter Druck
http://www.cio.de/a/apple-pay-setzt-deutsche-banken-unter-druck,2970154

BluePaper: Mobile Banking – Will Smartphones replace Bank branches?
http://www.gft.com/index/services/perspectives/bluepaper_will_smartphones_replace_bank_branches.html


s.dietrich