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Zieht Facebook an Google vorbei?

Alle Zeichen stehen auf Facebook. Zumindest wenn man sich aktuelle Beiträge in einschlägigen Social Media Foren durchliest.

Armando Biondi, Mitgründer von AdEspresso (ein Facebook Partner, der u.a. das Anzeigenmanagement für Server Message Blocks und SME’s gestaltet), spricht sogar von „Facebook‘s geheimem Plan, Google zu killen“. Doch wie belegt er diese – zugegeben sehr gewagte – Aussage?

Biondi zieht seine Schlussfolgerung weniger aus ihm zugänglichen, nicht öffentlichen Werbedaten und Informationen, als aus dem Offensichtlichen, wie er betont.

1. Der Mobilfon-Trend

Benedict Evans stellt in seinem Twitter Post eindrucksvoll dar, wie weit mobile Telefone mittlerweile verbreitet sind. Und so unglaublich es uns scheint, es gibt mehr Menschen ohne Mobiltelefon in den USA als in Südafrika. Die Zahl der Menschen ohne Handy oder gar Smartphone sinkt immer mehr, technischer Fortschritt ist ohne Frage nicht zu leugnen.

Mobilfon-Text

2. Das Verbraucherverhalten ändert sich

Biondi fragt seine Leser, wann diese zuletzt aktiv nach Nachrichten gegoogelt haben. Stellen auch Sie sich diese Frage, denn wenn sie der Mehrheit angehören, dürfte die Antwort darauf sein: Es ist eine ganze Weile her.

Das liegt daran, dass aktuelle Meldungen nicht nur privater Art, sondern aus aller Welt immerzu in unserem Newsfeed auftauchen. Oft muss man Facebook nicht einmal auf eine andere Website verlassen, sondern kann die Nachrichten direkt auf der eigenen Facebook Page eines Nachrichtendienstes oder einer Zeitung nachlesen, zumindest in Kurzform.

Da immer mehr Leute das Internet übers Handy nutzen, wird allgemein weniger gegoogelt. Das macht für Sie keinen Sinn?

Wenn Sie das Internet per Computer benutzen, beginnt quasi jede Online-Handlung mit einer Suche. Auf dem Handy ist das zu umständlich, langwierig und unnötig. Denn hierzu gibt es Apps, bei denen alles mit ein paar Fingerbewegungen verfügbar ist.

3. Facebook gewinnt bei mobilen Anzeigen

2014 kamen 59 Prozent von Facebook‘s Werbeeinnahmen aus der Werbung auf mobilen Endgeräten, im ersten Quartal 2015 sind es bereits 73 Prozent. Auch im Bereich Videos sind signifikante Steigerungen zu verzeichnen. Was YouTube (ein Google Unternehmen) in zehn Jahren geschafft hat, war Facebook in weniger als einem Jahr möglich. Vier Milliarden Klicks am Tag sind laut „todays news“ zu verbuchen.

„Socialbakers“ zeigte im Januar auf, dass Facebook Videos für Marken mittlerweile wichtiger sind als solche auf YouTube.

4. Social Future

Google’s Social Media Plattform heißt Google+, doch im Vergleich scheint Facebook hier um Längen voraus. Es heißt, Facebook möchte die Einnahmequellen in Zukunft mit „native advertising“ noch breiter ausbauen.

5. Facebook’s Suchmaschine

Um noch mehr exklusiven Content bereitzustellen, steht Facebook zurzeit in Verhandlungen mit der New York Times. Artikel sollen direkt auf Facebook gepostet, statt nur verlinkt werden. Dafür winkt Content Anbietern mehr Geld.

Zudem wird an einer Plattform internen Suchmaschine mit dem Namen „Add a Link“ gearbeitet, zu der im Moment nur wenige iOS Nutzer in den USA Zugriff haben sollen. Mit Hilfe dieser Funktion soll über die Suchfunktion nicht nur nach Fanseiten oder Personen gesucht werden können, sondern auch nach Links die ebenso geteilt werden können. Sortiert werden sollen die Beiträge nach Beliebtheit.

Facebook hat nach eigenen Angaben über eine Billion Posts von Nutzern nach Links durchsucht und besitzt damit eine riesen Menge an Daten, auf die Google keinen Zugriff hat.
„Add a Link“ würde Facebook also in Zukunft noch mehr Informationen liefern, was bei Nutzern gut ankommt und so die Möglichkeit zu bieten, Werbung noch zielgerichteter zu schalten.
Nach diesen Zahlen überrascht Sie ein Blick auf die Marktwerte von Facebook und Google vielleicht. Denn Facebook’s Anteil ist mit 226.09 Milliarden US-Dollar etwa 2/3 so groß wie der von Google mit 359.63 Milliarden US-Dollar (Stand 19.04.2015). Der große Unterschied ist, dass Facebook im letzten Jahr einen Zuwachs von 41 Prozent erwirtschaftete während Google praktisch mit Stillstand zu kämpfen hatte.

Wenn also noch Platz im Olymp der „1 Billion Dollar Companies“ ist (Apple wird bald wohl das erste Unternehmen sein, das diesen Meilenstein erreicht), dann könnte Facebook diesen einnehmen. Bei 25-33 Prozent Wachstum jährlich, wäre diese Marke in fünf bis sieben Jahren geknackt. Und damit sind eine Billion, ja – eine eins mit 18 Nullen (1 000 000 000 000 000 000) kein realitätsfernes Ziel.

Quellen:

http://venturebeat.com/2015/04/22/facebooks-secret-plan-to-kill-google-and-become-the-second-trillion-dollar-company-in-the-process/
http://t3n.de/news/facebook-link-suche-609747/


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Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.