Update 4.9.2015: Instant Articles – erster Beitrag von SPIEGEL ONLINE

Instant Articles
© Facebook

Im Mai 2015 startete „Instant Articles“. Nach der Veröffentlichung einiger Beiträge in der Anfangszeit ruhte das Projekt einige Monate. Die Erwartungen – gerade auch an die deutschen Testteilnehmer Spiegel und Bild – stiegen ständig. Jetzt hat SPIEGEL ONLINE endlich einen Beitrag gepostet – über das Universum. Leider ist der Zugang nur einigen wenigen Testusern von iOS zugängig. Langsam aber sicher reagieren die testenden Medienunternehmen und beteiligen sich am wirklich vielversprechenden bahnbrechenden Vorhaben von Facebook.


SPIEGEL ONLINE veröffentlicht ersten Instant Article auf Facebook

Spiegel Online - Instant ArticlesDer Beitrag „Achtung, Sie verlassen jetzt die Erde“, eine multimediale Reise durch das Sonnensystem, ist nur der Anfang. Laut einer Pressemitteilung will SPIEGEL ONLINE durch die Partnerschaft mit Facebook umfangreiche Informationen darüber sammeln, wie sich Inhalte in sozialen Netzwerken optimal darstellen und verbreiten lassen. Die Verantwortung für die journalistischen Inhalte bleiben im Rahmen der Kooperation allein bei der Redaktion. 

Florian Harms, Chefredakteur SPIEGEL ONLINE: „Mit Facebook Instant Articles testet SPIEGEL ONLINE als eine der ersten Nachrichten-Sites weltweit einen innovativen Verbreitungsweg für hochwertigen Journalismus. Die Nutzer auf Facebook können unsere Geschichten noch schneller und in multimedialen Darstellungsformen erleben.“

Großprojekt „Instant Articles“ in Testphase gestartet

Am 12. Mai war´s soweit: Facebook hat seinen neuen Dienst „Instant Articles“ veröffentlicht. Mit neun Kooperationspartnern aus der Medienbranche startet das Großprojekt in der Testphase. Die Verlage beäugen das neue Feature mit kritischem Blick. Die Art und Weise journalistischen Arbeitens im Internet könnte durch Instant Articles signifikant verändert werden. Viele Medienunternehmen scheuen vor einer zu großen Bindung an Facebook zurück. Zu Recht?

Vorteile von Instant Articles – weniger Ladezeit und größere Verweildauer

Mit „Instant Articles“ können Facebook-App-Nutzer Nachrichten von Zeitungen und Zeitschriften direkt im angezeigten Post lesen. Es ist kein lästiges Laden der Webseite des Anbieters mehr nötig. So gewährleistet Facebook einen zehnmal schnelleren Aufruf der News als zuvor mit der herkömmlichen Verlinkung. Facebook will damit natürlich längere Verweildauern seiner Nutzer erreichen. Langsam aber sicher avanciert Facebook damit zur Informationsplattform Nr. 1.

Instant Articles – Deutliche Erfolge am ersten Tag

Laut einem Artikel von blog.newswhip.com konnten die ersten Posts mit Instant Articles deutliche Erfolge verzeichnen. Die New York Times erreichte z.B. mit ihrem ersten aufwändig gestalteten Beitrag „A Life in Motion, Stopped Cold“ schon in den ersten zwei Stunden nach seiner Veröffentlichung 2.598 Facebook-User. Der Artikel wurde 1.902mal geliked und 590mal geteilt. Noch erfolgreicher war der Artikel „Quest For A Super Bee“ des National Geographic. Dieser konnte bis zum 15. Mai 2015 bereits rund 24.000 Likes und über 5.000 Shares verzeichnen. Wie aussagekräftig diese Zahlen für die Zukunft sind, bleibt abzuwarten, war doch das gesteigerte Interesse der Facebook-User gerade zu Beginn des neuen Dienstes zu erwarten.

Instant Articles - Bild 2

© Facebook

Deutsche Verlage mit im Boot – Werbemodell äußerst attraktiv

Neun namhafte internationale Medien sind in der Testphase mit dabei: New York Times, National Geographic, The Guardian, The Atlantic, NBC News, BBC News, BuzzFeed, Bild und Spiegel. Der Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE Florian Harms hofft, mit der Facebook-Kooperation einiges über die Darstellung und Verbreitung von Nachrichten in sozialen Netzwerken zu lernen. Er betont, dass Facebook eine große Rolle in der Medienübermittlung spiele (Artikel in SPIEGEL ONLINE vom Mittwoch).

Attraktiv erscheint vor allem das neue Werbemodell von Instant Articles. Verkaufen die Verlage selbst Werbeplätze auf Facebook, dürfen sie den gesamten Erlös behalten. Übernimmt Facebook den Werbeverkauf, sind es immerhin noch 70 Prozent. Das ist ein äußerst lukratives Angebot. Facebook hat sich sicherlich für dieses Modell entschieden, um zahlreiche Verlage für seinen neuen Dienst zu gewinnen. Sind viele Verlage – und es werden noch einige folgen – erst einmal dort integriert, könnte Facebook die Verteilung neu verhandeln. Dann natürlich würden diese Verhandlungen zu Gunsten von Facebook ablaufen (so Journalistik-Professor Frank Lobigs in einem Interview mit der Wirtschaftswoche vom Mittwoch). Die Medienunternehmen hätten dann kaum noch Handlungsspielraum, denn eine Abkehr von Facebook wäre dann nicht mehr sinnvoll.

Journalistische Vielfalt contra Nutzerfreundlichkeit

Auch wenn Instant Articles die Nutzerfreundlichkeit von Facebook beim Lesen von journalistischen Texten steigert. Die Vielfalt von Pressetexten beeinträchtigt es deutlich. Denn: Wer bestimmt, welcher Artikel dem Facebook-User im Newsfeed angezeigt wird? Antwort: Nur Facebook selbst. Dies widerspricht laut Lobigs der in Deutschland verfassungsrechtlich verbuchten Presse- und Meinungsvielfalt. Mit dem Newsfeed-Algorithmus entscheide Facebook allein, was seinen Nutzern konkret angezeigt werde. Die ursprünglich rein redaktionellen Entscheidungen über die Priorität und Nutzer-Relevanz von Nachrichten würden damit unterwandert. Ähnlich äußert sich BBC News – wohlgemerkt selbst Partner von Facebook in der Instant Articles-Testphase.

Fazit:

Facebook antwortet mit Instant Articles folgerichtig auf die vermehrte Nutzung mobiler Endgeräte. Insofern ist die neue schnelle Verfügbarkeit journalistischer Inhalte ein großer Gewinn für die Nutzer. Gefährlich ist meines Erachtens jedoch die Beeinträchtigung der redaktionellen Auswahl angezeigter Beiträge. Die Verlage geben hier das Steuer aus der Hand und übergeben es Facebook und seinem Newsfeed-Algorithmus. Facebook wird damit zum großen Info-Broker und kann bestimmen, was gelesen wird. Natürlich beeinträchtigt dies auch die Leser, die nicht mehr frei bestimmen können, was sie lesen wollen (oder sollen). Abschließend bleibt wie bei jedem Facebook-Update der fade Beigeschmack – im Grunde nutzt es hauptsächlich dem Social Media-Giganten.

Quellen:

NEU:

Nach langem Warten: So sieht Spiegel Onlines erster Instant Article aus
http://meedia.de/2015/09/03/nach-langem-warten-so-sieht-spiegel-onlines-erster-instant-article-aus/

 

Introducing Instant Articles
http://media.fb.com/2015/05/12/instantarticles/

„Bild“ und „Spiegel“ kuscheln als erste mit Facebook
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/blog/Bild-Spiegel-artikel-direkt-facebook,instantarticles100.html

Instant Articles: SPIEGEL-ONLINE-Texte kommen in die Facebook-App
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-instant-articles-von-spiegel-online-a-1033564.html

Here’s How Facebook Instant Articles Performed On Day One
http://blog.newswhip.com/index.php/2015/05/facebooks-instant-articles-on-day-one

A Life in Motion, Stopped Cold
http://www.nytimes.com/2015/05/17/sports/olympic-athlete-lais-souza-a-journey-back-from-injury.html

Quest For A Super Bee
http://ngm.nationalgeographic.com/2015/05/building-bees/mann-text

„Facebook wird eine extrem mächtige Nachrichtenplattform“ Interview mit Journalistik-Professor Frank Lobigs
http://www.wiwo.de/unternehmen/it/instant-articles-facebook-wird-eine-extrem-maechtige-nachrichtenplattform/11774682.html

Facebook tightens its grip on news
http://www.bbc.com/news/technology-32707014


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