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Digitale Agenda und Breitbandausbau: Deutschland- Entwicklungsland?

Vorletzte Woche durfte ich eine Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Martin Dörmann (medien- und kulturpolitischer Sprecher der SPD) organisieren (im Rahmen der Jungen Unternehmer in Köln), der sich politisch mit dem Breitbandausbau, als infrastruktureller Bestandteil der digitalen Agenda in Deutschland beschäftigt. Der überaus spannende Abend hat mich dazu veranlasst, meine Erfahrungen zur digitalen Agenda und vor allem dem Status Quo des Breitbandesausbaus in einem Artikel zu veröffentlichen!

Wo steht Deutschland digital? Warum gibt es kein deutsches Facebook oder Google? Industrie 4.0 als Buzzword, welches 40 % der Entscheider noch nicht gehört haben? „Neuland“ für das Staatsoberhaupt!? Digitales Deutschland quo vadis?

Ich lese tagtäglich über diese Dinge: In Blogs, auf Facebook, auf Twitter- manchmal in einer physischen Zeitung. Ich rede mit Menschen über Digitalisierung: Mit Eltern, Freunden, Geschäftspartnern. Ich höre im Radio darüber.

Nimmt man den „Billion Dollar Startup Club“ als Maßstab oder besser gesagt als Indiz für die Wettbewerbsfähigkeit der digitalen Leistungsfähigkeit, so ergibt sich ein erschreckendes Bild für Deutschland und Europa!

Billion Dollar Club

Xiaomi, Uber, AirBNB, Snapchat- die Billion Dollar Startups sind alle nicht aus Deutschland- noch nicht einmal aus Europa! Europas Nummer 1 ist Spotify auf Platz 15 (Bewertung 4 Mrd. Dollar)!

Eine Statistik hierzu: „Companies valued at $1 billion or more by venture-capital firms“ gibt es in den USA 52, in Asien 17 und in Europa 7. Woran liegt das? Mentalität, Gründungskultur, Zugang zu Kapital, Infrastruktur? Das lässt und wird sich in diesem Artikel nicht endgültig klären.

Die Bundesregierung scheint zumindest die Notwendigkeiten gewisser Maßnahmen erkannt zu haben. Das Bundeskabinett hat am 20. August 2014 mit der digitalen Agenda einen Grundstein verabschiedet. Wir wollen uns folgend einmal anschauen, was die Bundesregierung plant und wie sie es plant, Deutschland für den digitalen Wandel „fit“ zu machen.

Die digitale Agenda der Bundesregierung: Wohlstand für alle!

„Ein Gegensatz zwischen realer und virtueller Welt existiert nicht.“- Digitalisierung als zusätzliche, ineinander verzahnte Dimension! Digitalisierung als Chance, nicht (nur) als Gefahr. In der Aussage steckt viel Wahres.

Worum geht es in der digitalen Agenda? Im Prinzip möchte die Bundesregierung Ihrer politischen Aufgabe gerecht werden und den digitalen Wandel vorantreiben.

„Der digitale Wandel birgt Chancen in Form von Wohlstandsmehrungen, wenn er in der Mitte der Gesellschaft verankert wird und als offener Prozess zu einer neuen, effizienteren Form des Wissensflusses beiträgt“ so der Tenor der digitalen Agenda, die nebenbei gesagt besser und aussagekräftiger (manchmal muss man zwischen den Zeilen lesen) ist, als man vermutet.

Neben der Relevanz der IKT Branche in Deutschland (86 tsd. Unternehmen, 900 tsd. Arbeitsplätze) wird vor allem die Möglichkeit der Bevölkerung zur demokratischen Partizipation als relevanter Grund aufgeführt (wichtig!!). Auch die Herausforderungen werden treffend benannt: Big Data, Online-Offline Verzahnung und der Grundgedanke der Freiheit des Individuums.

Die Instrumente der digitalen Agenda

Die Bundesregierung nennt in Ihrem Positionspapier auch explizit die Instrumente der digitalen Agenda. Zum einen den nationalen IT Gipfel, der einen Dialog zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft initiieren soll und zum zweiten den Steuerungskreis „Digitale Agenda“: Neue Entwicklungen werden ressortübergreifend identifiziert und zur Diskussion gestellt.

How To? Der Weg ins digitalisierte Deutschland- Maßnahmen der digitalen Agenda

Positionspapiere, Agenden etc. sind das eine, Umsetzungsmaßnahmen etwas Anderes. Es werden sieben konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der digitalen Agenda beschrieben:

  • Infrastruktur
  • Digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten
  • Innovativer Staat
  • Digitale Lebenswelten in der Gesellschaft gestalten
  • Bildung, Forschung, Wissenschaft, Kultur und Medien
  • Sicherheit, Schutz und Vertrauen für Gesellschaft und Wirtschaft
  • Europäische und internationale Dimension der Digitalen Agenda

Das Ziel der Bundesregierung: 50 Mbit bis 2018

„Wir brauchen aus meiner Sicht natürlich erst einmal eine vernünftige Infrastruktur, deshalb sagen wir bis 2018 50 Megabit pro Sekunde für jeden Haushalt. Wir wissen aber, dass das allein nicht ausreicht um das Management von Big Data hinzubekommen, sondern wir brauchen für viele Anwendungen sehr viel größere Bandbreiten“, so sagt Angela Merkel!

Ausgehend von bisherigen Standards erscheint das Ziel als völlig ausreichend. Denkt man allerdings ein wenig in die Zukunft, muss man sich schon fragen, ob 50 Mbit ausreichend sind. „Internet of Things“ oder „Industrie 4.0“ sind Buzzwords, die die Digitalisierung unseres alltäglichen Lebens umschreiben. Sie kennzeichnen gesamtwirtschaftlich relevante Entwicklungen, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Alles wird vernetzt sein: Ob Autos von Google hergestellt, oder die Bedienung des Garagentors mit dem Smartphone, die automatische Anpassung eines Bürostuhls auf Gewicht und Größe- alle möglichen Devices werden Bestandteil der digitalen Kommunikation sein.

Kurz gesagt: Die Anzahl der miteinander vernetzten Geräte wird exponentiell steigen. Damit steigt auch das beanspruchte Datenvolumen.

Digitaler Wandel muss allumfassend verstanden werden

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden muss der digitale Wandel allumfassend verstanden werden.

  • Verankerung der Relevanz in den Köpfen der Menschen: Der Breitbandausbau kostet Geld- birgt allerdings auch viele Mehrwerte und Chancen für uns als Individuum und auch als Gesellschaft.
  • Verständnis in der Politik und in der Gesellschaft, dass die digitale Infrastruktur genau so wichtig ist wie die „analoge“ Infrastruktur und Bestandteil der originären Aufgaben des Staates ist. Das bedeutet im Klartext, dass der schnelle und zügige Breitbandausbau auf höchster politischer Ebene Priorität hat und vorangetrieben wird.

Abschliessend hier noch ein Feedback von Martin Doermann:

Quellen:

http://graphics.wsj.com/billion-dollar-club/

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/internet-in-der-industrie/industrie-4-0-das-unbekannte-internet-der-dinge-13350442.html

http://www.deutschlandradiokultur.de/deutschland-und-der-breitbandausbau-schnelles-internet-oder.1001.de.html?dram:article_id=315045

http://www.huffingtonpost.de/tobias-kollmann/baustellen-digitale-wirtschaft_b_6778040.html

http://www.theeuropean.de/madeleine-hofmann/9767-wie-der-digitale-wandel-die-arbeitswelt-veraendet

 

 


Breitbandausbau Digitale Agenda
Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.