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Ein Blick nach China: Weibo und Twitter im Vergleich

In China wird Twitter seit 2009 gesperrt. Die chinesische Alternative des Mikrobloggings heißt Weibo (wörtlich übersetzt: winzig und ausgedehnt). Über 600 Millionen Nutzer zählt beispielsweise Sina Weibo, der größte Mikroblog-Anbieter Chinas. Zu den aktiven Nutzern zählen auch immer mehr in China aktive deutsche Unternehmen wie VW oder Siemens. Sie verwenden das Netzwerk, um sich auf dem chinesischen Markt zu platzieren. Zeit, sich das Weibo-Netzwerk einmal genauer anzusehen.

Weibo und Twitter im Vergleich: Nutzerzahlen

Sina Weibo und Tencent Weibo sind die größten Mikroblog-Dienste. Beide Anbieter verfügen über Nutzerzahlen von jeweils über 500 Millionen – insgesamt sind das so viele wie beim westlichen Konkurrenten Twitter. Und nicht nur das: Chinesische Mikroblogger sind auch besonders aktiv. Auf Sina Weibo etwa werden täglich mehr als 100 Millionen Inhalte gepostet.

Funktionen: Weibo= Twitter + Facebook

Von der Funktionsbreite her ist Weibo nur schwer mit Twitter zu vergleichen. Generell ist die chinesische Alternative funktionell umfangreicher als Twitter. Während Twitter sich eher als News-Portal etabliert hat, liegt bei Weibo der Fokus auf der sozialen Komponente: Neben den normalen Text-Tweets können bei Weibo auch Videos, Audios, Bilder und Emoticons gesendet werden. Zudem können Fotoalben angelegt, Spiele gespielt und Apps genutzt werden. Somit ähnelt Weibo in einigen Funktionen mehr dem sozialen Netzwerk Facebook, welches in China ebenfalls gesperrt wird. Dennoch unterscheidet sich Weibo von Facebook: die Zeichen-Anzahl ist auch hier, wie bei Twitter auf 140 beschränkt und Nutzer können jedem folgen und nicht nur, wie bei Facebook, ihren Freunden.

Weibo strebt Internationalisierung an

Weibo strebt, ähnlich wie andere chinesische Netzwerke, eine Internationalisierung an. Bereits Anfang 2013 kündigte Sina Weibo an, seine Plattform zukünftig auch auf Englisch anbieten zu wollen. Um die Anmeldung bei dem Portal auch für Westler zu vereinfachen, können sich diese sogar über Facebook bei dem Portal anmelden – und das, obwohl Facebook in China gesperrt ist. 2012 besaßen bereits über 1000 nicht-chinesische Firmen einen Weibo-Account  – darunter vor allem US-amerikanische und japanische Firmen. Dazu kommen zahlreiche Konten von westlichen Prominenten, die Weibo vor allem zu Promotion-Zwecken nutzen.

Die liebe Zensur

Wie bei allen chinesischen Medien wird natürlich auch bei Sina Weibo kräftig zensiert. Zensur heißt dabei stets Selbstzensur, das heißt Weibo unterhält seine eigenen Zensoren. Die Zensoren unternehmen dabei täglich eine Gradwanderung: Zensieren sie zu wenig, ist die Gefahr groß, dass die Seite geschlossen wird. Zensieren sie zu viel, verlieren sie eventuell Nutzer. Welche Inhalte genau zensiert werden, unterliegt einer strengen Geheimhaltung. Die chinesischen Nutzer helfen sich selbst, indem sie beispielsweise bestimmte Schriftzeichen als Codes einsetzen oder bedienen sich des Sarkasmus, um Kritik zu äußern. Es gibt einige Projekte, die die Zensur auf den Weibo-Plattformen genau beobachten: Das Projekt Free Weibo beispielsweise sammelt zensierte Inhalte und stellt sie auf ihrer Seite zur Verfügung. Blocked on Weibo sammelt Begriffe, die auf Sina Weibo aktuell blockiert werden.


Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.