user Avatar

Facebook im Einsatz auf Verbrecherjagd?

Soziale Plattformen, wie Facebook und Twitter, helfen uns immer wieder, egal ob im Alltag oder in heiklen Situationen. Vor allem in letzter Zeit stolpert man beim Surfen auf Facebook vermehrt über Posts rund um das Thema „Hilfe! Meine Katze ist entlaufen, bitte teilen!“, die daraufhin von Freunden und Bekannten geteilt werden. Auch Fragestellungen, wie „Wie lang hat eigentlich der Supermarkt hier geöffnet?“ werden auf Facebook oft gestellt und schnell beantwortet. Im Social Web findet jeder schnell mit Hilfe der „Schwarmintelligenz“ der Community seine Antwort auf eine Frage oder die Lösung für sein Problem. Statusmeldungen verbreiten sich rasend schnell, werden geteilt – so erreicht man schnellstmöglich viele Menschen, die einem helfen könnten.

Doch kann Social Media vielleicht noch mehr? Können soziale Netzwerke und der Eifer der Community für jedes Problem eine geeignete Lösung zu finden auch für andere Zwecke genutzt werden – beispielsweise für Fahndungszwecke?

Erfolg in den USA

In den USA ist dies gang und gäbe. Eine Studie der „International Association of Chiefs of Police“ im Jahr 2013 ergab, dass 96% aller Polizeistellen in den USA Social Media nutzen, mehr als 80% gaben an, dass Social Media ihnen bei der Verfolgung von Straftätern geholfen hat. Ein weiterer Vorteil in der Nutzung von sozialen Medien sieht die Polizei in den USA darin, dass die Bürger besser und auf einer persönlicheren Ebene mit den Polizisten kommunizieren können. Der Bundesstaat Sacramento nutzt neben Facebook auch andere Kanäle, wie YouTube und Instagram, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, hinter die Kulissen schauen zu können, indem sie ihren Alltag dort mit Bildern und Videos dokumentieren.

Police Sacramento
Die Polizei in Sacramento nutzt neben Facebook auch andere soziale Medien, wie zum Beispiel YouTube.

Der Erfolg der Nutzung von Social Media bestätigt sich immer wieder in den Nachrichten. Im Januar wurde ein Student der Boise State University als vermisst gemeldet. Der Student John leidet unter dem Down-Syndrom und kann sich nicht verständigen. Die Vermissten-Meldung wurde direkt von der Polizei auf Twitter geteilt und von Millionen Menschen weiter geteilt. Daraufhin meldete sich eine Frau, deren Sohn ebenfalls am Down-Syndrom leidet. Sie hatte den Tweet direkt gesehen, daraufhin machte sie sich mit ihrem Auto auf den Weg, um John zu suchen. Als sie ihn fand, wartete sie mit ihm bis die Polizei eintraf. Ein Happy End also, John konnte mit Hilfe von Twitter und der Community gefunden werden.

Zieht Deutschland nach?

ach den vielen positiven Erfahrungen in anderen Ländern, überlegt auch die Polizei in Deutschland ihre Aufrufe zu Fahndungen auf Facebook verbreiten. Die Erfahrung mit den sozialen Medien in Pilotprojekten hat die deutsche Polizei weites gehend überzeugt. Eine Fahndung muss möglichst schnell viele Menschen erreichen, damit diese auf der einen Seite gewarnt sind, auf der anderen Seite auch aktiv bei der Fahndung mitwirken können, um den Täter zu stellen.

Vereinzelt wird Facebook von Polizeidienststellen in Deutschland bereits genutzt, seit zwei Jahren nutzt beispielsweise die Polizei in Niedersachsen Facebook, auch Hannover und Krefeld haben diese Methode zur Fahndung von Verbrechern bereits genutzt. Ebenso wie Niedersachsen nutzen auch Hessen und Mecklenburg-Vorpommern, sowie das Bundeskriminalamt die sozialen Netzwerke für Fahndungszwecke. Allerdings lässt sich der Erfolg der Fahndungsaufrufe nicht genau definieren, da man nicht genau weiß, wie viele (nützliche) Hinweise der Bevölkerung tatsächlich über Facebook eingingen.

Polizei Krefeld
Die Polizei in Krefeld nutzt Facebook, um Bürger über aktuelle Neuigkeiten wie Fahndungen, aber auch Blitzer zu informieren.
Polizei Niedersachsen
Das Landeskriminalamt in Niedersachsen nutzt seine Facebook-Page, um Bürgern beispielsweise Tipps gegen Diebstahl und Einbrüche zu geben.

Die Nutzung der Möglichkeit der Öffentlichkeitsfahndung auf Facebook wird von vielen noch sehr kritisch betrachtet, da die Möglichkeiten der Polizei deutlich eingeschränkt sind. Aus Datenschutzgründen darf zum Beispiel kein Foto eines Verdächtigen auf Facebook geteilt werden. Die Polizeistelle in Hannover umgeht dieses Problem so, dass sie lediglich einen Link auf die eigentlichen Fahndungsseiten der Polizei posten. Auch Kommentare unter den jeweiligen Fahndungsaufrufen können zu Problemen führen, da Nutzer in den Kommentaren Hinweise auf mögliche Täter hinterlassen können, dort könnte über mögliche Täter gemutmaßt werden, was zu Hetzjagden und Selbstjustiz führen könnte.

Bereits in der Vergangenheit gab es beim Thema Selbstjustiz Probleme, so gab es beispielsweise Aufrufe zur Lynchjustiz nach dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden. Auch in Frankfurt am Main wurde vor nicht allzu kurzer Zeit eine Facebook-Gruppe zur Jagd auf einen Serienvergewaltiger gegründet. Auch der Aspekt des Rufmordes sollte nicht in den Hintergrund gestellt werden. Ein fälschlicherweise Verdächtigter könnte auch nach seiner Verdächtigung Probleme haben und unter starkem psychischen Druck stehen.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzung der sozialen Medien der Polizei in Deutschland entwickelt, da Vor- und Nachteile bestehen. Einerseits beflügelt der Erfolg in den USA zu einer verstärkten Nutzung, allerdings sollten dabei auch immer die Nachteile bedacht werden, da es in Deutschland bereits in einzelnen Fällen zur Selbstjustiz kam. Sobald jedoch Möglichkeiten bestehen, diese Nachteile zu umgehen oder zu vermeiden, könnten die sozialen Netzwerke ein fester Bestandteil der Öffentlichkeitsfahndung werden.

Quelle : http://mashable.com/2014/03/16/police-departments-social-media/


Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.