Heute „shoppe“ ich mir einen Mann!

Kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin, kaum eine Nachrichten-Website beschäftigt sich in diesen Tagen nicht mit dem Thema Sexismus. Ausgelöst durch den Bericht über eine abendliche Begegnung eines deutschen Spitzenpolitikers mit einer jungen Journalistin, nimmt diese Debatte mittlerweile eine unvorstellbare Reichweite an. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass ein solcher Wortwechsel derart thematisiert wird? Heutzutage sprießen doch schließlich an jeder Ecke Plattformen aus der Erde, die das Flirt-Machtspiel zwischen Männern und Frauen auf skurrile Art und Weise aufgreifen und sich scheinbar einer immer höheren Beliebtheit erfreuen. Der Erfolg dieser Seiten wäre doch niemals so enorm, wenn unsere heutige Gesellschaft provokante Flirts – und ich spreche hier ausschließlich von den Situationen, in denen KEINE Bedrohung von einer beteiligten Person ausgeht! – nach wie vor für äußerst negativ erachtet würden.

Neue Dating-Plattform bringt Frauen an die Macht

Vor wenigen Tagen erzählte mir eine Freundin von einer in Deutschland relativ neuen Datingplattform – „Shop a man“. Frauen haben dort wie in einem klassischen Online-Shop die Möglichkeit, Männer – so als handele es sich bei ihnen um Produkte – nach Belieben in einen Warenkorb zu legen oder wieder zu entfernen. Vielmehr noch werden die Männer dazu aufgerufen, sich selbst auf die virtuelle Einkaufsliste der Frauen zu setzen – quasi als Kaufempfehlung. All dies geschieht frei nach dem Motto: „Ich entscheide, was ich mir nehme und wenn du mir doch nicht gut genug bist, lege ich dich genauso wieder weg wie matschige Tomaten.“ Natürlich ruft dieses Konzept in zahlreichen Blogs Gleichberechtigungsfanatiker auf den Plan, Männer würden unterdrückt und als käuflicher Gegenstand betrachtet, heißt es. Selbstverständlich haben die Gegner der Seite nicht ganz Unrecht – zumindest auf den ersten Blick. Betrachtet man sie jedoch intensiver, merkt man schnell, welch humoristischen Charakter das Ganze hat – sowohl für die Männer als auch die Frauen. Mit der Rolle des Mannes als bislang stärkeres Geschlecht wird gespielt – attraktive, scheinbar gebildete Männer ordnen sich unter, die Frauen verlieren völlig den Respekt vor der Würde des Mannes. Allerdings nimmt dies wohl keiner der User wirklich ernst. Vielmehr geht es doch wie auf nahezu allen Datingplattformen darum, einen anderen Menschen – wenn auch zunächst virtuell – anzusprechen und kennenzulernen. Hier geschieht dies eben auf eine außergewöhnliche und skurrile Art und Weise. Das Unkonventionelle und Verbotene rückt in den Vordergrund und wird dadurch für eine breite Masse interessant.

Fazit

Wie auch immer man zu dem Thema stehen mag und was auch immer man von derartigen Plattformen und plumpen Anmachen hält – die deutsche Bevölkerung scheint deutlich lockerer geworden zu sein, wenn es ums Flirten geht. Ob provokante Flirt-Plattformen immer mehr zum Trend werden, bleibt abzuwarten.


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Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.