Was ist der Facebook Open Graph und warum gibt es „Ihn“?

Interessentenlisten, Edge Rank und Promoted Posts sind die beherrschenden Themen der letzten Tage und Wochen. Im vorliegenden Artikel gehen wir darauf ein, was der Open Graph als zentraler technologischer Bestandteil von Facebook für die vertretenen Unternehmen bedeutet.

Open Graph
Facebook Open Graph

Facebook Open Graph

Abbildung 1: Beziehungsgeflecht Open Graph

„Building Identity“- Die Idee Facebooks´ und aktuelle Entwicklung

Facebook betont, dass die Idee des Netzwerkes darauf basiert, dass Menschen die eigene Identität abbilden. Ein Blick in die Facebook Historie zeigt, dass die Seite Facemash.com (von Zuckerberg 2003 entwickelt) dazu diente, zunächst Jahrgangsverzeichnisse von Studenten zu digitalisieren und anschließend Studenten über die Profile anderer abstimmen zu lassen (Hot or Not).

Zweiter Schritt in der Entwicklung Facebooks´ war die Verbindung der vorhandenen Profile. „Connect relationships“ oder „be friends“ waren die Stichwörter zur Etablierung des Social Graph. Neben den Beziehungen der Menschen war aber klar, dass es auch ein Attribut geben musste, um Beziehungen zwischen Menschen und Interessen auszudrücken: Der Like Button.

Dieses bisher relativ einseitige Beziehungsgeflecht wurde im September 2011 durch den Open Graph aufgelöst.

Open Graph: Wer bist du und was machst du?

Der Open Graph ist letztlich nichts anderes als ein weiterer Schritt in der Entwicklung Facebooks bei dem es darum geht, die „wahre“ Identität der Person zu ergründen. Die Timeline ist das Instrument, dass diese Entwicklung maßgeblich unterstützt. Sie stellt die „Story of your Life“ dar.

Nicht nur selbst/aktiv freigegebene Aktionen zeigen, wer du bist, sondern hauptsächlich deine tatsächlichen Handlungen. Der Nutzer kann schließlich behaupten, dass er Rockmusik mag- obwohl er de facto lieber House Musik hört. Die Beispiele Soundcloud und Spotify zeigen sehr anschaulich wie so etwas funktioniert. Die Adjektive sind neben dem bekannten „like“ nun auch „play“, „post“, „follow“ und „join“.

Aber auch „kochen“, „laufen“ oder „sehen“ sind völlig neue Optionen, die durch den Open Graph ermöglicht werden.

In der Timeline werden diese „actions“ durch „aggregations“ dargestellt. Der Clou: Je mehr befreundete Nutzer dieselbe Applikation nutzen, desto prominenter werden die Aktivitäten in der Timeline der Nutzer gepostet. „Social“ ist hier das Stichwort. Gemeinsame Aktivitäten lohnen sich also und machen die Aktion viraler.

Crossmediale Verbreitung durch Open Graph

„Driving distribution of Apps“ ist ein weiteres Stichwort von Facebook. Das bedeutet, dass der Einsatz von Applikationen wie Spotify eine klassische Win-Win Situation darstellt. Wenn ein User bspw. einen Song hört (publishing actions) und ein befreundeter Nutzer dies über die Open Graph Funktionen sieht, hat er die Möglichkeit, durch einen Klick in den iTunes Store dieses Produkt ebenfalls zu erwerben. Einerseits erweitern die sogenannten nativen Applikationen also den Funktionsumfang von Facebook- auf der anderen Seite hilft Facebook bei der Verbreitung dieser Applikationen. Mobile Endgeräte und Desktop PC´s werden so optimal miteinander verbunden.

crossmediale verbreitung open graph
crossmediale verbreitung open graph

Abbildung 2: Crossmediale Verbreitung durch Open Graph

Wo geht die Reise hin: Facebook Quo vadis?

Was ist nun die Schlussfolgerung? Möchte Facebook die Welt ein wenig schöner und bunter machen? Vielleicht! Sicherlich ist die Haupteinnahmequelle- auch in den nächsten Jahren- das zielgerichtete Advertising.

Mit den nun vorhandenen Aktivitäten der Nutzer und der zu Beginn erwähnten „Building Identity“ ist sicherlich eine noch zielgerichtetere Werbung möglich. Unternehmen können dementsprechend also noch genauer potentielle Kunden ansprechen als bisher. Fotos, Check-Ins, Beziehungsgeflechte sowie sämtliche Aktivitätsprotokolle der User tragen dazu bei, dass die Profile der Nutzer noch detaillierter werden und die Unternehmen noch mehr Geld für Werbung zahlen.

In der zielgerichteten Werbung und der Masse an vorhandenen Daten liegt zudem das Alleinstellungsmerkmal gegenüber Google, da Google Werbung nur aufgrund eingegebener Keywords schaltet- also Wörtern, nach denen die User bewusst suchen. Implizite aber nicht geäußerte Bedürfnisse von Profilen/Menschen erkennen- das kann bisher nur Facebook.

Quelle: https://developers.facebook.com/docs/opengraph/tutorial/videos/


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Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.