Qualität im Fokus: Facebook zieht Open Graph-Stellschrauben nach

Open Graph ist an sich eine feine Sache – was wir in unserem Blog auch schon des Öfteren thematisiert haben. Klug implementiert verbreiten Apps so interessante Inhalte der App-Nutzer automatisch im Nachrichtenstrom ihrer Freunde. Doch mit den umfangreichen Möglichkeiten wird mitunter auch viel Schindluder getrieben. Anwendungen verbreiten Inhalte in der Timeline, obwohl man doch nur ein Video im Nachrichtenstrom angeklickt hat. An anderer Stelle wird der Freundeskreis in inflationärer Post-Zahl darüber informiert, welche Artikel man einfach nur „gelesen“ hat. Selbst dann, wenn einem der Artikel nicht gefällt und man ihn nur zwei Sätze weit gelesen hat. „Authenticated Referals“ und recht offene Regeln für Apps machen es möglich. Oder eher: machten es möglich.

Authenticated Referrals (Bild: Facebook Entwickler-Blog)
Vor dem Aus: "Authenticated Referrals" verschwinden demnächst wieder (Bild: Facebook Entwickler-Blog)

Hier räumt Facebook nun auf, einige verpflichtende Veränderungen sollen zu einer auch in der Breite höheren Qualität führen. Und letztlich ist es auch im Interesse von Werbetreibenden und Fanseiten-Eignern, potentielle Fans nicht zu nerven, sondern ihr Interesse mit relevanten  Informationen und Beiträgen zu wecken.

Das Problem des automatischen Teilens, des „Frictionless Sharing“: Die umfangreichen Möglichkeiten waren lange Zeit frei von fast jeder Restriktion. Viele Apps gingen und gehen alles andere als verantwortungsvoll mit den mächtigen Publishing-Funktionen um. Die Folge war eine Flut nichtiger Meldungen, die von vielen eher als störend, als bereichernd empfunden wurde. Dass das „Frictionless Sharing“ bereits ausgelöst wird, wenn jemand eine Seite nur anklickt, war laut Facebook nicht so angedacht. Denn dies führte nicht nur zu negativem Feedback der App, sondern fällt am Ende auf das Image von Facebook selbst zurück – und damit ist wirklich keiner Seite geholfen. An dieser Stelle ein Überblick über die bisherigen und die aktuellsten Änderungen. App-Entwickler sollten aufhorchen: Bis Anfang Februar müssen die aktualisierten App-Regeln umgesetzt werden. Aber der Reihe nach.

Vorangegangene Änderungen

So sollte es sein Open Graph-App mit Option zum ein und ausstellen des Explicit Sharing (Quelle: Facebook Entwickler-Blog)
Open Graph-App nach Facebooks Vorstellungen (Bild: Facebook Entwickler-Blog)

Im Sinne der Nutzerzufriedenheit bestand die erste Änderung im Juni darin, automatische Veröffentlichungen nur dann zu erlauben, wenn ein Nutzer sich einen Inhalt mindestens 10 Sekunden lang angesehen hat. Damit konnte man den Spam-Faktor bereits erheblich reduzieren. Das Ziel, nur von Nutzern tatsächlich durchgeführte Aktionen zu veröffentlichen, wurde damit aber noch nicht erreicht. Facebook hat daraufhin im September angefangen zwischen „Explicit Sharing“ und „Implicit Sharing“ zu unterscheiden. Das Ziel: Entwickler sollten sich Gedanken machen, welche Informationen ein App-Nutzer im Nachrichtenstrom von sich aus tatsächlich teilen möchte und welche eher nicht.

„Explicit Sharing“ soll nur dann eingesetzt werden, wenn der Nutzer die eindeutige Absicht hat, eine Handlung auf seiner Timeline zu veröffentlichen und einer Veröffentlichung in den Optionen der App zugestimmt hat. „Implicit Sharing“ sind Aktivitäten, die zwar auch geteilt werden können, wo dies jedoch weniger prominent präsentiert werden soll.

 

Um es in aller Kürze an einem einfachen Beispiel der beliebten Musikplattform Soundcloud zu verdeutlichen:

  • „Explicit Sharing“ findet statt, wenn ein Nutzer ein bestimmtes Stück auf Soundcloud durch das drücken eines Button als „Favorit“ hinzufügt. Die Handlung erscheint auch im Nachrichtenstrom und auch in der Timeline.
  • „Implicit Sharing“ bedeutet, dass ein Nutzer sich ein Stück lediglich „angehört“  hat. Diese Handlung wird das zwar im Live-Ticker am rechten Rand angezeigt, findet aber nicht den Weg in den Nachrichtenstrom der Freunde und wird in der Timeline nur zusammenfassend dargestellt.

Die aktuellsten Umstellungen

Wie auch Jan bei Futurebiz berichtete, werden Aktionen innerhalb von Apps nun grundsätzlich nur noch dann automatisch veröffentlicht, wenn die in der App hinterlegten Aktionen den fünf von Facebook vordefinierten „Built-in-Actions“ entsprechen.  Automatisches teilen bedingt somit künftig zwingend die Verwendung von folgen, gefallen, lesen, anhören oder ansehen als Action. Geht es um das reine Konsumieren von Inhalten, beschränkt sich die Auswahl nunmehr auf lesen, anhören und ansehen. Das etwas schwammige klingende „Konsumieren von Inhalten“ definiert Facebook dabei folgendermaßen:

„If your custom action is triggered as users browse, view, or otherwise look at content within your site, it is considered content consumption and is not allowed. For example, we will no longer approve custom actions for content consumption, such as “Bailey viewed sandals,” even in cases where a person first clicks a button.“

Selbst definierte Aktionen sind in diesen Fällen also generell nicht mehr erlaubt. Wie Klaus Breyer bei allfacebook.de feststellt, ist es hierbei Facebooks Ziel lediglich „konsumierten Inhalt“ einheitlicher und eindeutiger wiederzugeben.

Pub Dialog (Quelle: allfacebook.de)
Für Nachrichten in der Timeline von Freunden wird der Pub Dialog wieder verpflichtend vorgeschaltet (Bild: allfacebook.de)

Gänzlich abgeschaltet werden in dem Zuge die „Authenticated Referals“. Einige über Open Graph-Applikationen verbreitete Inhalte machten häufig weitreichende Zugriffsrechte zur Voraussetzung, um den verlinkten Inhalt überhaupt sehen zu können. Die Praxis, schon vor dem ansehen zu entscheiden zu müssen, ob man eine App nutzen möchte, kam nicht besonders gut an. Lediglich 30 % kamen der für viele irritierenden Aufforderung nach. Beim traditionellen „Auth Dialog“ liegt die Akzeptanz-Quote bei 60 %. Der „Auth Dialog“ ist künftig daher wieder der einzige Weg, über den sich eine App Zugriffsrechte beim Nutzer einholen kann.

Apps haben künftig zudem keine Möglichkeit mehr, Inhalte automatisiert auf der Chronik von Freunden zu verbreiten („Post to friends wall via the API“). Grundsätzlich besteht die Möglichkeit weiterhin, Inhalt in der Chronik von Freunden eines Nutzers zu verbreiten – hierfür muss allerdings der bewährte Publishing-Dialog zwischengeschaltet werden. Ohne aktives Zutun des Nutzers passiert also nichts mehr.

Neu erstellte Apps müssen sich bereits jetzt an die neuen Regeln halten, um von Facebook genehmigt zu werden. Bestehende Apps sind von den aktuellen Umstellungen vorerst nicht betroffen. Wie üblich gewährt Facebook eine 90-tägige Frist. Entwickler haben somit bis zum 6.2.2013 Zeit, ihre Apps an die aktuellen Umstellungen anzupassen, die sich nun auch in der Roadmap widerspiegeln.

Sinnvolle Maßregelung oder unnötige Gängelung? Wie seht ihr die Änderungen an den Regeln für Open Graph-Apps?

 

Quellen


Facebook Applikationen Facebook Entwicklung Open Graph

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.