user Avatar

Prädikat fragwürdig? Die Empfehlungs-Mechaniken des App-Zentrums

Mit dem App-Zentrum begann Facebook vor fast genau vier Monaten sein dröges App-Dashboard sukzessiv abzulösen. Nun hat Facebook nicht nur erste Nutzungszahlen herausgegeben, sondern auch erläutert, nach welchen Kriterien Apps empfohlen werden.

Die Reichweite ist zumindest für Jan Firsching bei Futurebiz durchaus überraschend: im Durschnitt statten 220 Mio. Nutzer dem App-Zentrum mindestens ein Mal im Monat einen Besuch ab. Somit fast ein Viertel aller regelmäßigen Facebook-Nutzer. Auch interessant: Die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer des App-Zentrums am nächsten Tag gleich noch einmal hineinschauen, ist 40% höher als bei Nutzern des alten Dashboards. Auch wenn sich Facebook an dieser Stelle absolute Zahlen ausspart, kann man mit Statistiken insgesamt sicher zufrieden sein. Der Zuwachs deutet zumindest darauf hin, dass die Empfehlungs-Mechaniken greifen und im Verbund mit dem verbesserten Design stärker als bisher zum Ausprobieren von Apps animieren.

Wie die Empfehlungen funktionieren

Grundsätzlich verfolgt Facebook eine ähnliche Linie, wie auch im Nachrichtenstrom der Nutzer. Als treibende und entscheidende Kraft wird auf eine Mischung aus „Qualität“ und „Personalisierung“ gesetzt. Analog zum Nachrichtenstrom verbessert sich der Grad der Personalisierung mit der Anzahl an Freunden, die Apps nutzen. Grundsätzlich spielen für die Empfehlung auch bei Apps die demographischen Informationen über einen Nutzer sowie Likes und Impressions einer App für die Selektion wieder eine gewichtige Rolle. Existieren etwa Parallelen zu Apps, die man in der Vergangenheit genutzt hat, erhöht das ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass eine bisher nicht genutzte, artverwandte App vorgeschlagen wird.

Ansicht des App-Zentrums (Bild: insidefacebook.com)
Dashboard 2.0 - seit August gibt es das App-Zentrum weltweit. (Bild: insidefacebook.com)

Interessant ist der Teil, in dem Facebook ausführt, wie die Qualität einer App errechnet wird. Und die ist mit entscheidend dafür, ob eine App vorgeschlagen wird, oder eben auch nicht. Um die Qualität abschätzen zu können, bedient man sich zum einen der klassischen Sterne-Bewertung durch die Nutzer. Die Anzahl abgegebener Wertungen spielt zur Feinjustierung ebenfalls mit hinein: Anwendungen mit vielen Nutzern und Bewertungen traut man grundsätzlich eher, als einer Anwendung mit wenigen Bewertungen. Die Bewertungen selbst sind dabei keine Neuheit – um mehr Daten zu generieren, wird man als Nutzer nun allerdings auch gelegentlich dazu aufgefordert, Bewertungen für genutzte Apps abzugeben. Als zweite und auch schon letzte bedeutsame Variable für die Qualitätsbestimmung dient die Anzahl täglicher Nutzer. Die Qualität einer App wird primär aufgrund dieser zwei Faktoren ermittelt.

Viel hilft viel? Kritik am Verfahren

Es scheint etwas merkwürdig, dass für die Qualitätsermittlung neben den Bewertung allein die täglich aktiven Nutzer (DAU) relevant sein sollen. Nicht jede Anwendung ist darauf ausgelegt und dafür gedacht, wirklich täglich genutzt zu werden. Das diese nun bei der Bewertung der nachteilig behandelt werden, scheint nicht ganz fair. Nicht, wenn es darum geht, Qualität zu definieren. Die Begründung von  Facebook, warum die monatlich aktiven Nutzer (MAU) überhaupt keine Berücksichtigung finden, ist dabei ziemlich dünn: Die Berücksichtigung von MAU-Kennzahlen sei ungeeignet; dort könne es Nutzungs-Spitzen geben, die Daten würden so verfälscht werden. Dass man ungewöhnliche Spitzen herausfiltern möchte, ist verständlich und legitim. Da es allerdings statistische Mittel (wie etwa den Median) gibt, um exakt solche Problematiken abfangen, hinterlässt Facebooks Handhabe einen etwas faden Nachgeschmack. Wird die Qualität auf diese Weise gewichtet, übervorteilt dies unter anderem oft täglich gespielte Social-Games, die dadurch besonders prominente Platzierungen erhalten. An deren Micropayments und –transactions der Nutzer verdient Facebook selbst fleißig mit. Ein Schelm, wer böses dabei denkt?

Hinzu kommt, dass eine Bewertung durch die Nutzer de facto nur dann forciert wird, wenn eine App regelmäßig genutzt wird. Dass eine App in aller Regel nur dann mehr oder weniger tagtäglich genutzt wird, wenn sie einem gefällt, ist eigentlich selbsterklärend. Damit verstärkt Facebook aber auch zugleich den Effekt, dass häufig genutzten Anwendungen letzen Endes per se eine besonders hohe „Qualität“ zugesprochen wird.

Haltet ihr die Handhabe auch für fragwürdig, oder fallen euch – aus Nutzersicht – auch gute und plausible Gründe ein, warum Facebook die App-Qualität und somit auch das Ranking für eine Empfehlung so bestimmt, wie es nach eigenen Angaben der Fall ist?

 

Quellen:

 


App Center App-Zentrum Apps Facebook Applikationen Facebook Apps Hintergründe Verfahren
Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.