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Facebook auf dem Weg zum globalen Werbenetzwerk

Seit längerem steht die Frage im Raum, wie Facebook in der vom mobilen Markt dominierten Zukunft Geld verdienen will. Facebook CEO Zuckerberg sprach letzte Woche auf der „Disrupt“-Konferenz bereits von Werbe-Modellen, die auch – wenn nicht sogar besser – auf Smartphones und Tablets funktionieren würden. Dabei bezog er sich allerdings noch primär auf existierende Modelle. Der aktuellste Schachzug wurde von ihm dort noch nicht erwähnt. Auch wenn sich das aktuelle Werbe-Programm erst in einer Betaphase befindet, hat es das Potential, den weltweiten Online-Werbemarkt mit einem mittleren Beben in Bewegung zu bringen. Mit Facebook außerhalb von Facebook werben? Wo gibt’s denn sowas? Die kurze Antwort: Seit gestern in den USA. Die lange Antwort gibt unser Artikel.

TechCrunch vermeldete am Dienstag, dass bei Facebook die ersten Test mit einem eigenen Werbenetzwerk für den mobilen Markt begonnen haben. In der Betaphase stellt Facebook ausgewählten Ad-Börsen die eigenen Nutzer-Daten zur Verfügung. Voraussetzung dafür, dass entsprechende Werbung angezeigt werden kann, ist allein, dass der Nutzer an seinem Smartphone oder Tablet bei Facebook gerade angemeldet ist. Dass man mit dem aktuellen App-Update Facebook just noch ein Stückchen tiefer in iOS integriert hat, kommt da sicher nicht ungelegen.

Beispiel für Anzeigen auf Smartphones (Bild: TechCrunch)
Beispiele für mobile Ads (Bild: TechCrunch)

Werbetreibende können für Werbung auf mobilen Webseiten und auch innerhalb von diversen iOS- und Android-Apps auf die demographischen Daten von Facebook zurückgreifen. Eine Webseite zu Apple kann so z.B. explizit Leute zwischen 16 und 35 ansprechen, denen das iPad oder das iPhone „gefällt“. Das ist für Werbung innerhalb von Facebook nichts Neues. Wohl aber, wenn es um externe Seiten oder externe Apps geht. Die über das neue Werbe-Programm geschalteten Anzeigen erscheinen nun, lässt man den Deal mit Zynga außen vor, erstmalig auch auf von Facebook losgelösten Apps und mobilen Webseiten. Facebook wirbt nicht mehr ausschließlich auf der eigenen Plattform, sondern nutzt die Daten, um über Ad-Börsen auch anderenorts zielgerichtete Anzeigen zu platzieren.

Damit könnte Facebook mittelfristig den tradierten Online-Anzeigenmarkt gehörig aufmischen – kein anderes Unternehmen verfügt über einen derart weitreichenden und akkuraten Pool demographischer Daten. Während Facebook auf die freiwillig zur Verfügung gestellten Daten seiner Nutzer zurückgreifen kann, müssen klassische Ad-Börsen raten oder können bestenfalls grob ableiten, wie gut jemand in die Zielgruppe eines Werbekunden passt.

Wenn man über Facebook bald auch Anzeigen auf externen Seiten außerhalb der mobilen Welt schalten kann, könnte dies herkömmliche Ad-Börsen zumindest auf lange Sicht nahezu überflüssig machen. Noch greift Facebook mangels eigener Infrastruktur in dem Bereich auf externe Dienstleister zurück. Womöglich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Facebook diesen Service selbst ganzheitlich anbieten kann.

Beispielanzeige eines mobil Ad (Bild: insidefacebook.com)
Beispielanzeige eines mobil Ad (Bild: insidefacebook.com)

Facebook versicherte TechCrunch dabei, dass die Privatsphäre bei der Entwicklung des Programms „oberste Priorität“ hatte und Facebook niemals Informationen an Dritte weitergibt, die eine persönliche Identifikation eines Nutzers ermöglichen. In Deutschland, wo sich Facebook im permanenten Clinch mit Verbraucher- und Datenschutzgesetzen befindet, sieht man die Entwicklung wahrscheinlich nicht ganz so entspannt.

Insidefacebook.com sieht die Potential von Facebook hierbei nahezu grenzenlos: „In der Zukunft könnten die Facebook-Daten auf viel mehr Plattformen für gezielte Werbung genutzt werden – inklusive an das Internet angebundene Fernseher.“ Letztlich „könnte alles, was einen Bildschirm hat, Teil eines künftigen Facebook Werbenetzwerkes sein.“

Wie seht ihr die Entwicklung? Ist Facebook auf dem Weg zum Werbegiganten, der es in nicht allzu fernen Zukunft gar mit Google aufnehmen kann? Stellen sich bei Gedanken an die Datennutzung eure Nackenhaare auf? Trifft beides oder nichts von dem zu – was geht euch dazu durch den Kopf?

Quellen


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Hubertus Porschen

Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.