Die Blase 2.0? Time´s Changing!

Facebook 75 Mrd., Twitter 7.7 Mrd. und Groupon 25 Mrd. sowie die Spieleschmiede Zynga mit 10 Mrd.  Steht uns ein neuer Dotcom Crash bevor wie 2000? Die extrem hohen Bewertungen für Social Media  Unternehmen lassen die berechtigte Frage zu, inwiefern sich eine neue Blase bildet. So schreibt die New York Times im März diesen Jahres: „Banks pouring money into technology funds, wealthy clients and institutions clamoring to get pieces of start-ups, expectations of stock market debuts building — as Wall Street’s machinery kicks into second gear, some investors with memories of the Internet bust a decade earlier are wondering whether this sudden burst of activity spells danger for the industry once again.“


Der Artikel der NYT beschreibt dabei, dass 1999 die 24 größten Unternehmen mit einer  Marktkapitalisierung von 71 Mrd. Dollar bewertet wurden. Das entspricht dem Wert der Marktkapitalisierung Anfang 2011 für die im oberen rechten Schaubild abgebildeten „Big Five“. Heutigen Schätzungen zufolge wird der Wert des Netzwerkes Facebook allein auf diesen Wert taxiert. Die Big Five stehen heute bei 167,7 Mrd. Dollar. Also alles Blase? Ist hier wieder ein Hype entstanden? Mit dem Unterschied noch exorbitanterer Bewertungen?

Verschiedene Gründe sprechen gegen die Blase 2.0:

1. Technologie Die Internet Ära der 1990-er Jahre basierte auf einer Technologie die in dieser Form noch nicht getestet wurde. Die „Big Five“ im Jahr 2011 sind zwar junge Unternehmen aber bei Weitem keine „Start-Ups“ mehr. Im Gegensatz zu den 1990-er Jahren wird der Wert der Unternehmen nicht ausschließlich durch die Entfachung einer Phantasie festgelegt sondern auch durch konkrete Zahlen, deren Messbarkeit zwar noch schwierig ist, aber nicht abwegig. Facebook hat im Jahr 2010 bspw. mehr als 2. Mrd. Dollar Werbeeinnahmen verzeichnen können.

2. Historie

Geht man davon aus, dass die Internettechnologie eine Basisinnovation, ähnlich der Erfindung von Dampfmaschine und damit des Eisenbahnbaus  in den 1840-er oder der Elektrizität Anfang des 20. Jahrhunderts ist, so lassen sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten feststellen: Die wenigsten Basisinnovationen sind zu Beginn profitabel. Vielmehr setzen ebendiese relativ hohe Anfangsinvestitionen voraus. Das beste Beispiel hierfür ist die Verbreitung der Eisenbahn, die durch den Bau von Schienen massive Investitionen benötigte. Angetrieben von möglichem Profit wurde ein zu umfangreiches Schienennetz gebaut. Das Angebot überstieg die Nachfrage.  Jeder wollte vom Boom der neuen Technologie profitieren. Selbiges gilt für die Internettechnologie in den 1990-ern.

Prof.Dr. Thorsten Hens sagte bereits 2009 im Handelsblatt zum Thema Blasen: „Der Einzelne handelt nicht mehr rational, für das Kollektiv kann ein solcher Hype jedoch sogar gut sein. Bleiben wir beim Beispiel Eisenbahn. 80 Prozent der Investoren haben bei der Spekulation Geld verloren, nur 20 Prozent gewonnen. Anschließend hatte die Gesellschaft aber ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz. Gleiches gilt für das Internet. Auch diese Technologie hat erst mit der Spekulation der Anleger einen großen Sprung gemacht.“

3. Geschäftsmodell

Einer der wesentlichsten Unterschiede zu den Geschäftsmodellen der Blase von 1999 besteht darin, dass das Geschäftsmodell geprüft ist. „Wachstum anstelle von Gewinn“ war das Motto. Die „Big Five“ von heute haben allesamt schon Umsätze vorzuweisen und ein (zumeist) zukunftsweisendes Geschäftsmodell. Amazon, eBay und auch Google (Skype und Google haben jahrelang nur geringe Umsätze erwirtschaftet!) sind die besten Beispiele für funktionierende Internet-Geschäftsmodelle.

4. Internet Penetration

Eisenbahnen fahren auf Schienen und Social Media bedingt das Internet. Die Internet Penetration ist heute wesentlich höher als noch vor 10 Jahren. 2 Milliarden Nutzer weltweit bewegen sich im Web. Smartphones treiben die Entwicklung des mobilen Internet weltweit voran. Es gilt als sicher, dass immer mehr Menschen immer länger online sind. Wovon die die „Big Five“ enorm profitieren.

5.  Monetarisierung

  Fragte man sich Ende der 1990-er noch häufig, wie Gewinne erwirtschaftet werden, so haben die Big Five heute Ihre Strategie bereits entwickelt, wie das Geschäftsmodell monetarisiert werden kann. Werbung, Freemium oder auch die Nutzbarmachung von Economies of Scale bei Einkaufsgemeinschaften.

6. Personalisierung von Werbung

Individualisierung ist das Stichwort aller Social Media Firmen. Werbung kann extrem zielgerichtet geschaltet werden und somit direkt beim Adressaten platziert werden. Interaktionen, Likes, Shares und alle hinterlegten persönlichen Informationen können für Werbeanzeigen  genutzt werden. Doch rechtfertigen alle diese Argumente die extrem hohen Bewertungen der Big Five? Oder widerfährt Facebook ein ähnliches Schicksal wie bspw. Myspace? Wir wissen es nicht. Letztlich entscheidet der Markt bzw. der Konsument: Angebot und Nachfrage.


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Dr. Hubertus Porschen ist CEO der App-Arena GmbH. Er ist zudem Bundesvorsitzender des Verbandes "Die jungen Unternehmer" und Keynote Speaker für Digitalisierung & Innovation.